Eine Menschenmasse hat sich auf einem Platz rund um ein großes Rednerpult versammelt. Die Menschenmasse ist in Vogelperspektive zu sehen.
Hans Braxmeier / pixabay - Public Domain

Die Angst vor der Globalisierung spaltet die Europäer. Während eine Mehrheit der EU-Bürger (55 Prozent) die internationale Verflechtung als Chance begreift, empfindet sie fast jeder Zweite (45 Prozent) als Gefahr. Dabei gilt: Je niedriger das Bildungsniveau und je höher das Alter der Befragten, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Menschen Globalisierung als Gefahr empfinden. Die Ängste vor einer stärker zusammenwachsenden Welt beeinflussen auch die politischen Einstellungen: Die große Mehrheit derjenigen Befragten, die mit rechtsnationalen und populistischen Parteien sympathisieren, empfinden die Globalisierung als Bedrohung. Das sind die Ergebnisse der EU-weiten Umfrage "eupinions", mit der die Bertelsmann Stiftung regelmäßig Bürger zu EU-Themen befragt. Die Umfrage ist repräsentativ für die EU und die neun größten Mitgliedsstaaten.

Globalisierungsängste bestimmen politische Einstellungen

Befragt zu ihrer Parteipräferenz, zeigt sich EU-weit ein klares Bild: Bei allen rechtsnationalen Parteien in den untersuchten Ländern, von der italienischen Forza Italia über die deutsche AfD bis zur britischen UKIP, fürchtet stets mindestens die Hälfte der Partei-Anhänger die Folgen der Globalisierung. Globalisierungsangst scheint also ein Treiber für den Erfolg rechtsnationaler Parteien in Europa zu sein.

"Wir dürfen das Werben um besorgte Bürger nicht den Populisten überlassen. Die etablierten Parteien müssen die Angst vor der Globalisierung in ihre Arbeit einbeziehen."

Aart De Geus, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung

Bei Parteianhängern links des politischen Mainstreams spielen Globalisierungsängste auch eine Rolle, jedoch ist dieser Faktor nicht so bestimmend wie bei rechtsnationalen Parteien und überschreitet seltener die 50-Prozent-Marke. Bei den Unterstützern von CDU/CSU, SPD und den Grünen spielen Globalisierungsängste eine untergeordnete Rolle: Jeweils gut ein Drittel von ihnen hat laut Umfrage Angst vor der Globalisierung.

Alter, Bildung, Einkommen: So verteilen sich Pessimisten und Optimisten

Während in Österreich und Frankreich die Angst vor der Globalisierung am höchsten ist, leben in Großbritannien, Italien und Spanien die meisten Globalisierungs-Optimisten. Deutschland liegt mit einer Mehrheit für die Optimisten (55 zu 45 Prozent) im EU-Trend.

In allen Ländern sind Einkommen, Bildungsgrad und Alter der Menschen ausschlaggebend für ihre Bewertungen: Bei Befragten, die sich selbst der Mittelschicht zuordnen, sind die Optimisten EU-weit deutlich in der Mehrheit, während in der Arbeiterschicht Pessimisten und Optimisten nahezu gleichauf sind. Höherqualifizierte sehen die Globalisierung häufiger positiv als Geringqualifizierte. Die größte Aufgeschlossenheit gegenüber der Globalisierung zeigen Europäer zwischen 18 und 25 Jahren (61 Prozent). "Deutschland und Europa haben enorm von der Globalisierung profitiert. Trotzdem fühlen sich viele Menschen zurückgelassen. Wir müssen die internationale Verflechtung so gestalten, dass sie möglichst vielen Menschen nützt und nicht schadet", so Aart De Geus, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung.

Misstrauen gegenüber Politikern geht durch beide Lager

Auffallend an den Umfragewerten ist, dass die Globalisierungsängste mit einer ablehnenden Haltung gegenüber Politik und Gesellschaft einhergehen. Globalisierungs-Pessimisten würden fast zur Hälfte für einen EU-Austritt stimmen. Nicht mal jeder Zehnte von ihnen vertraut Politikern allgemein und nur 38 Prozent sind zufrieden mit der Demokratie in ihrem Land. Globalisierungs-Optimisten stimmen hingegen zu vier Fünfteln für die EU und sind zu 53 Prozent zufrieden mit der Demokratie. Aber auch von ihnen vertraut nur jeder Fünfte seinen Volks- und Regierungsvertretern.

Befragt, inwiefern sie sich durch die Globalisierung bedroht sehen, zeigt sich bei den Pessimisten ein Bild von Ausgrenzung und Unkenntnis. Sie fühlen sich in ihren Gesellschaften mehrheitlich ausgegrenzt und sehen Migration als eine entscheidende Herausforderung der kommenden Jahre. Interessanterweise gibt aber nur rund die Hälfte von ihnen an, überhaupt Kontakt mit Ausländern zu haben.

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