Blick in eine Fußgängerzone, gefüllt mit Menschen unterschiedlichen Alters und Geschlechts.
Veit Mette, Bielefeld

In Sachen Nachhaltigkeit setzen Deutschlands Kommunen unterschiedliche Schwerpunkte. Besonders aktiv sind sie bereits in den Bereichen Haushaltsführung, Bildung, Wohnen sowie Klima und Energie. Andere Themen wie das Engagement für Entwicklungspolitik, Armut, Sicherheit oder Gesundheit und Pflege sind dagegen bislang eher weniger von Bedeutung. Das sind zentrale Ergebnisse unseres Monitors Nachhaltige Kommune, den wir heute auf dem Deutschen Nachhaltigkeitstag in Düsseldorf vorstellen.

Wie nachhaltig arbeiten Deutschlands Kommunen? Unser Monitor bringt Licht ins Dunkel

Obwohl Kreise, Städte und Gemeinden eine wichtige Rolle dabei spielen, die Nachhaltigkeitsstrategien von Bund und Ländern umzusetzen, gibt es bisher wenig gesicherte Erkenntnisse darüber, wie nachhaltig sie tatsächlich sind und welche Themen sie bearbeiten. Diese Lücke wollen wir mit unserem Monitor schließen. Er basiert auf einer flächendeckenden Indikatoren-Erhebung und einer im Juni und Juli 2016 durchgeführten Umfrage unter Verwaltungschefs von 519 Kommunen aus ganz Deutschland. So wird detailliert aufgezeigt, wie nachhaltig die Kommunen bereits arbeiten. Weitere Erhebungen und Umfragen sollen auch in Zukunft regelmäßig darüber informieren, wie Kommunen das Thema Nachhaltigkeit umsetzen.

Thema Nachhaltigkeit hat bei deutschen Kommunen hohen Stellenwert

Deutschlands Kommunalverwaltungen halten das Thema Nachhaltigkeit allgemein für wichtig. Unsere Umfrage ergab: Für rund 90 Prozent der Verwaltungschefs von Städten und Gemeinden ist es "sehr wichtig" oder "wichtig", nachhaltig zu arbeiten.

"Nachhaltigkeit in Kommunen lebt durch das Engagement der Zivilgesellschaft. Daher brauchen wir messbare Nachhaltigkeitsindikatoren, um durch Transparenz Bürgerinnen und Bürger zur Beteiligung einzuladen."

Dieter Salomon, Oberbürgermeister der Stadt Freiburg im Breisgau
Grafik mit kommunalen Nachhaltigkeitshemen. In Sachen Nachhaltigkeit müssen Kommunen eine breite Themenpalette bearbeiten. Dabei sind die Schwerpunkte gerade klar verteilt.

Stärkerer Fokus auf Armut sowie Pflege und Gesundheit empfehlenswert

Neben den beim Thema Nachhaltigkeit für Kommunalverwaltungen schon zentralen Bereichen Haushaltsführung, Bildung, Wohnen, Klima und Energie ist es für Städte, Gemeinden und Kreise ratsam, sich noch mehr auf weitere Nachhaltigkeitsthemen zu konzentrieren. „Wir würden uns wünschen, dass Kommunen zukünftig auch Bereiche wie Armut oder Gesundheit und Pflege stärker im Rahmen von Nachhaltigkeitsstrategien bearbeiten“, betont Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung. Die Bertelsmann Stiftung habe beispielsweise zu den Themen Kinder- und Altersarmut sowie zu den sich abzeichnenden Pflege-Engpässen in einer alternden Gesellschaft bereits zahlreiche kommunale Analysen und Handlungsempfehlungen entwickelt, so Mohn.

2015 untersuchten wir beispielsweise, welche Folgen der demographische Wandel für Deutschlands Kommunen hat, schauten, wie Städte und Gemeinden finanziell aufgestellt sind, und nahmen das Thema Altersarmut unter die Lupe. Im Modellprojekt "Kein Kind zurücklassen!" entwickeln wir Präventions- und Unterstützungsangebote für sozial benachteiligte Kinder. Außerdem berechneten wir, wie die Pflegesituation in Kommunen in Zukunft aussehen könnte.

Die Ergebnisse der Umfrage unter Deutschlands Kommunalverwaltungen und der Indikatoren-Erhebung finden Sie hier. Eine Übersicht über die einzelnen Indikatoren haben wir hier für Sie zusammengestellt.

Sie möchten wissen, wo Ihre Kommune bei einzelnen Indikatoren steht? Auf unserem Portal Wegweiser Kommune können für jede Kommune mit mehr als 5.000 Einwohnern Kennzahlen und deren Entwicklungsverläufe mit den Werten anderer Kommunen verglichen werden.

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