Autos warten in drei Schlangen an einem ungarischen Grenzübergang im Sommer 2015.

Die dauerhafte Wiedereinführung von innereuropäischen Grenzkontrollen würde das wirtschaftliche Wachstum europaweit erheblich hemmen und spürbare Wohlstandsverluste verursachen. Für die gesamte EU wären bis zum Jahr 2025 Wachstumsverluste von 470 Milliarden Euro zu erwarten. Allein Deutschland müsste Verluste von mindestens 77 Milliarden Euro verkraften und auch außerhalb Europas hätte ein Ende von Schengen negative ökonomische Effekte. Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle Studie der Prognos AG im Auftrag der Bertelsmann Stiftung.

Wiedereinführung von Grenzkontrollen hätte Kosten- und Preissteigerungen zur Folge

Die Studie zeigt: Die Wiedereinführung von Grenzkontrollen würde zu Kosten- und Preissteigerungen führen, die sich negativ auf das Wirtschaftswachstum in Europa auswirkten. Selbst in einem optimistischen Szenario mit einem moderaten Preisanstieg für aus dem europäischen Ausland importierte Güter um lediglich ein Prozent wären die Wachstumseinbuße erheblich. Diese würden sich für Deutschland zwischen 2016 und 2025 auf 77 Milliarden Euro summieren. Für Frankreich ergäbe sich gar ein Verlust von 80,5 Milliarden Euro. Und die gesamte EU würde im gleichen Zeitraum beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) 470 Milliarden Euro einbüßen. In einem pessimistischen Szenario wird von einem Anstieg der Importpreise um drei Prozent ausgegangen. Dabei hätte Deutschland sogar BIP-Einbußen von 235 Milliarden Euro. In Frankreich lägen sie bei 244 Milliarden Euro und in der EU bei 1,4 Billionen Euro.

"Wenn die Schlagbäume innerhalb Europas wieder runtergehen, gerät das ohnehin schwache Wachstum in Europa noch stärker unter Druck. Am Ende zahlen alle Menschen die Rechnung."

Aart De Geus, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung
Bei der Wiedereinführung von Grenzkontrollen hätten alle EU-Staaten enorme Wachstumseinbuße hinzunehmen. Besonders Deutschland, Frankreich und Großbritannien wären betroffen, doch auch die wirtschaftlich stark gebeutelten Staaten Spanien und Italien. Die Wiedereinführung von Grenzkontrollen würde das Wirtschaftswachstum aller EU-Staaten enorm schwächen. Besonders Deutschland, Frankreich und Großbritannien wären betroffen, aber auch die wirtschaftlich stark gebeutelten Staaten Spanien und Italien.

Ausgangspunkt für die Berechnungen der Studie sind die Zeitverluste, die sich aus den innereuropäischen Grenzkontrollen ergäben. Längere Wartezeiten bedeuten für die Unternehmen höhere Personalkosten. Zudem müssten die Lagerbestände erhöht werden, weil pünktliche Lieferungen nicht mehr garantiert werden könnten. Beide Entwicklungen hätten steigende Produktionskosten zur Folge, die zu einem Preisanstieg führten. Höhere Preise reduzieren die Konsumnachfrage, verringern die internationale Wettbewerbsfähigkeit und damit auch die Exporte. Die nachlassende Güternachfrage führt schließlich zu sinkenden Investitionen. Unternehmen passen sich den nachlassenden Absatzchancen an und schränken ihre Produktion ein. Damit lässt das Wirtschaftswachstum nach.

Von einer Aussetzung des Schengen-Abkommens wären auch die USA und China betroffen

Wegen der zunehmenden internationalen Verflechtungen wären von einem sinkenden Wirtschaftswachstum in Europa auch Staaten auf anderen Kontinenten betroffen. Im Falle einer einprozentigen Erhöhung der Importpreise würden sich beispielsweise zwischen 2016 und 2025 die Wachstumsverluste in den USA und in China auf 91 beziehungsweise 95 Milliarden Euro aufsummieren. Bei einem Anstieg der Importpreise um drei Prozent lägen die kumulierten Wachstumseinbußen in beiden Ländern sogar bei circa 280 Milliarden Euro.

Die komplette Studie mit Ergebnissen zu allen EU-Staaten finden Sie hier:

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