Ein Mädchen schiebt einen Jungen, der im Rollstuhl sitzt in Richtung einer Eingangstür, die von zwei anderen Kindern aufgehalten wird.
Jan Voth

Eltern geben inklusiven Schulen bessere Noten als solchen, die keinen gemeinsamen Unterricht für Kinder mit und ohne Handicap anbieten. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage von Infratest dimap für die Bertelsmann Stiftung hervor. Förderung nach individuellen Stärken und Schwächen sowie Kompetenz und Engagement der Lehrer – in allen Punkten schneiden in der Wahrnehmung der Eltern inklusive Schulen besser ab. Dies gilt unabhängig davon, ob das eigene Kind Förderbedarf hat oder nicht.

Mehr als ein Drittel der rund 4300 befragten Eltern gab an, ihr Kind besuche eine inklusive Schule. Von diesen Eltern sind 68 Prozent mit der individuellen Förderung ihrer Kinder zufrieden. Eltern hingegen, deren Kinder eine nicht-inklusive Schule besuchen, sagen dies nur zu 58 Prozent. Zwei Drittel der Befragten schätzen an der inklusiven Schule, dass ihre Kinder dort im eigenen Tempo lernen können. Das sagen nur 58 Prozent der Eltern über die nicht-inklusive Schule ihrer Kinder. Auch den sozialen Zusammenhalt an inklusiven Schulen schätzen Eltern höher ein als an nicht-inklusiven Schulen (78 zu 73 Prozent).

Inklusive Schulen stoßen bei Eltern überwiegend auf positive Resonanz.

Lehrer an inklusiven Schulen genießen höhere Wertschätzung

Die Umfrage belegt: Eltern sind insgesamt mit den Lehrern ihrer Kinder sehr zufrieden. Den Pädagogen an inklusiven Schulen stellen sie dabei durchweg ein besseres Zeugnis aus als Lehrern an nicht-inklusiven Schulen. Lehrer an inklusiven Schulen gelten beispielsweise mehr Eltern als engagiert (80 zu 75 Prozent), können besser erklären (86 zu 77 Prozent) und fördern Stärken der Schüler gezielter (72 zu 60 Prozent).

"Lehrer an inklusiven Schulen werden von den Eltern besonders geschätzt. Das ist ein wichtiges Zeichen für gelingende Inklusion in Deutschland."

Jörg Dräger, Mitglied des Vorstandes der Bertelsmann Stiftung

Werden die Eltern nicht nach konkreten Erfahrungen mit der Schule ihres Kindes, sondern zur allgemeinen Einstellung gegenüber inklusivem Lernen gefragt, wandelt sich das Bild. Obwohl 7 von 10 Befragten Inklusion als gesellschaftlich wichtig einstufen, glaubt ebenfalls mehr als die Hälfte, dass Kinder mit Handicap auf Förderschulen besser unterstützt werden. Immerhin 51 Prozent der Eltern sind der Auffassung, dass Kinder ohne Förderbedarf auf inklusiven Schulen fachlich gebremst werden.

Genau hingeschaut: Elternmeinungen zu Detailaspekten von inklusivem Lernen.

Erfahrung mit Inklusion verringert die Skepsis

In diesem Punkt macht sich besonders stark bemerkbar, ob Eltern über Erfahrung mit Inklusion verfügen oder nicht: Während 58 Prozent der Befragten ohne Inklusionserfahrung meinen, Inklusion gehe grundsätzlich auf Kosten des fachlichen Lernens, glauben das nur 44 Prozent der Eltern mit Inklusionserfahrung.

Grundsätzlich gilt: Je mehr Berührungspunkte Eltern mit inklusiven Schulen haben, desto höher ist ihre prinzipielle Offenheit für verschiedene Gruppen von Förderschülern. Sowohl beim gemeinsamen Unterricht mit Kindern mit körperlicher und geistiger Beeinträchtigung als auch bei den Themen Lernschwierigkeiten und Verhaltensauffälligkeiten sind Mütter und Väter ohne Inklusionserfahrungen wesentlich skeptischer als Eltern mit entsprechenden Erfahrungen.

"Konkrete Erfahrung überzeugt Eltern von Inklusion. Ein schrittweiser Ausbau von inklusiven Schulen ist deswegen sinnvoll. Voraussetzung dafür ist, mehr Lehrer zum inklusiven Unterrichten fortzubilden."

Jörg Dräger, Mitglied des Vorstandes der Bertelsmann Stiftung

Die gesamte Umfrage finden Sie hier:

Publikation

Auszeichnung

Verleihung des Jakob Muth-Preises 2015

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