Eine Frau und ein Mann sitzen am Tisch eines Büroraums und besprechen Schriftmaterial.
Veit Mette

Die aktuelle Debatte über Migration in Deutschland wird von der Asylthematik beherrscht. Trotzdem muss die Bundesrepublik für die Sicherung des Wohlstands vorrausschauend planen. Dabei wird deutlich, dass das Land mittel- und langfristig  verstärkt auf Zuwanderung angewiesen ist: Berechnungen von Experten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigen, dass das Erwerbspersonenpotenzial, das heißt Erwerbstätige, Erwerbslose und die stille Reserve, ohne Einwanderung bis zum Jahr 2050 von gegenwärtig 45 Millionen Menschen auf unter 29 Millionen sinken würde. Aus welchen Ländern aber sollte Deutschland zukünftig Fachkräfte gewinnen?

Migration entfaltet ihr volles positives Potenzial nur dann, wenn neben dem Arbeitsmarktbedarf in den Einwanderungsländern auch die Entwicklungschancen des Herkunftslandes und des Einwanderers berücksichtigt werden. Für die Herkunftsländer bedeutet dies, dass Migration durch Geldrücküberweisungen, den Transfer von Wissen und sozialen Ressourcen sowie möglicherweise Investitionen deren Entwicklung fördern kann. Dieser "Triple Win" für alle Beteiligten sorgt für Fairness bei der Migrationsgestaltung. Um einen solchen Nutzen zu erzielen, sind bilaterale Abkommen ein wichtiges Instrument, bei denen Partnerländer auf Grundlage transparenter und entwicklungsorientierter Kriterien ausgewählt werden.

Kriterienkatalog identifiziert geeignete Herkunftsländer und notwendige Ergänzungsmaßnahmen

Janina Brennan und Anna Wittenborg von der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) untersuchen in ihrer Studie "Gemeinsam zum Triple Win: Faire Gewinnung von Fachkräften aus Entwicklungs- und Schwellenländern", welche Kriterien bei der Auswahl geeigneter Herkunftsländer  zu berücksichtigen sind, um einen Triple Win zu erreichen. Dazu gehören  demographische Aspekte, wirtschaftliche- und Arbeitsmarktfaktoren, funktionsfähige und transparente Verwaltungsstrukturen, die Anschlussfähigkeit erworbener Qualifikationen auf dem deutschen Arbeitsmarkt, die Beziehungen zu Deutschland und die Kooperationsbereitschaft der Regierung. Schließlich sind Instrumente in den Herkunftsländern wichtig, die den entwicklungspolitischen Nutzen von Migration fördern.

Die Studie unterzieht die Kriterien anhand von acht Länderbeispielen, die alle Weltregionen abdecken, einer praktischen Prüfung:  Bosnien und Herzegowina, Georgien, Indien, Kolumbien, Mexiko, Nigeria, Philippinen und Tunesien. Die Ergebnisse der Analyse zeigen, dass Länder wie Indien, Kolumbien, Mexiko, die Philippinen und Tunesien für Kooperationen im Bereich Arbeitsmigration geeignet sind. Voraussetzung ist, dass diese sich auf Berufsgruppen beschränken, in denen Fachkräfteüberhänge verzeichnet werden. Andere Länder wie Bosnien und Herzegowina, Georgien oder Nigeria weisen in bestimmten Bereichen jedoch erhebliche Defizite auf, die Migrationskooperationen nicht oder nur mit gezielten Ergänzungsmaßnahmen z.B. im Bildungs- und Ausbildungsbereich sinnvoll erscheinen lassen. Im Fall von Bosnien und Herzegowina ist die demographische Situation zu berücksichtigen: Aktuell gibt es zwar dort zum Beispiel im Pflegebereich mehr Fachkräfte als benötigt. Aufgrund der Alterung in der Gesellschaft wird die Nachfrage nach Pflegekräften in dem Land jedoch steigen.

Transnationale Ausbildungspartnerschaften und globaler Dialog fördern faire Migration

Als ein besonders erfolgversprechendes Instrument der fairen Migrationssteuerung stechen transnationale Ausbildungspartnerschaften zwischen Herkunfts- und Zielländern hervor – eine spezielle Form der bilateralen Vereinbarung. Eines der beiden Länder bildet selbst Fachkräfte  aus, von denen einige nach Abschluss der Ausbildung in das Partnerland auswandern, während andere im Land verbleiben. Die Anzahl der Fachkräfte wird somit in beiden Partnerländern erhöht.

Darüber hinaus sollte vor dem Hintergrund der globalen Brisanz internationaler Arbeitsmobilität der globale Dialog über faire Fachkräftesicherung aktiv gefördert werden - insbesondere auch von Deutschland, einem der bedeutendsten Zielländer internationaler Fachkräfte.

Die komplette Studie finden Sie in der rechten Spalte.

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