Eine junge Frau stellt einen Tablet-Computer in ein Bücherregal.
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Statt sich auf einzelne Technologien oder technische Hilfsmittel zu fokussieren, gelte es deshalb, typische Einsatzszenarien in der Schule in den Blick zu nehmen. Der Autor der Studie, Prof. Dr. Bardo Herzig von der Universität Paderborn, empfiehlt insbesondere, verstärkt das genaue Zusammenspiel von digitalen Medien mit Unterrichtsprozessen, Pädagogen und Lernenden auf seine Wirkungen zu untersuchen sowie gelingende Modelle systematisch in der Lehreraus- und -weiterbildung zu verankern.

Die Studie macht deutlich: Zur Wirksamkeit bestimmter Geräte oder im Hinblick auf einzelne Medienangebote, spezifische Schülergruppen oder Fachkulturen können keine allgemeingültigen Aussagen getroffen werden. Der von Herzig zusammengefasste bisherige Forschungsstand belegt aber die Potenziale guter Mediennutzung für Schülerinnen und Schüler, Unterricht und Schulen. So kann der Einsatz digitaler Medien die Schüler nicht nur motivieren und ihre Medienkompetenz steigern, sondern auch zu stärkerer Kooperation untereinander, zu einer besseren Selbstorganisation des Lernens sowie einer tieferen Verarbeitung von Informationen führen.

Im Unterricht verändern digitale Medien die didaktischen Konzepte von Lehrenden. Dabei zeigt sich zum Beispiel, dass die meisten Pädagogen, die üblicherweise einen eher lehrerzentrierten Unterrichtsstil pflegen, mit Laptops ihre Art zu unterrichten aktivierender gestalten. Diejenigen dagegen, die ohnehin stärker schülerzentriert unterrichten, berichten von geringeren Veränderungen durch den Einsatz von Laptops. Digitale Medien können auch Schulentwicklungsprozesse erheblich beeinflussen und beschleunigen. Sie haben Auswirkungen auf Aspekte wie die Personal-, Unterrichts- und Organisationsentwicklung. Erfolgsfaktoren sind hier ein gemeinsam entwickeltes Medienkonzept, ein pädagogisch ausgerichtetes IT-Management, der gezielte Ausbau von mediendidaktischen und -erzieherischen Fähigkeiten im Kollegium sowie eine Schulleitung, die neue Unterrichtsmethoden ideell und organisatorisch unterstützt.

Gerade mit Blick auf die zunehmende gesellschaftliche Vielfalt, die sich in immer unterschiedlicheren Lernvoraussetzungen und -ständen im Klassenzimmer widerspiegelt, haben digitale Medien große Potenziale. Sie dürfen aber niemals zum Selbstzweck werden und sollten stets in eine individuell fördernde Lernkultur eingebettet sein. Im Mittelpunkt muss dabei das Ziel stehen, dass alle Schülerinnen und Schüler entsprechend ihren individuellen Voraussetzungen erfolgreich lernen können. Damit dies dauerhaft gelingt, empfiehlt Herzig insbesondere, die mediendidaktischen Anstrengungen in der Lehreraus- und -weiterbildung erheblich zu verstärken. Dafür sei auch der Ausbau einer gestaltungsorientierten Bildungsforschung nötig, die in enger Ruckkopplung an die Praxis die Wirksamkeit konkreter Lehr-Lernszenarien untersucht.

Die vollständige Studie finden Sie rechts zum Download.

Hintergrundinformationen
Um Chancen, Risiken und Folgen der Digitalisierung für die Bildung zu diskutieren, hat die Bertelsmann Stiftung 2013 zu einer dreiteiligen Veranstaltungsreihe eingeladen. Im "Education Innovation Circle" kamen Expertinnen und Experten aus Praxis, Wissenschaft, Gründerszene und Politik jeweils für einen Tag zusammen und tauschten sich über aktuelle Entwicklungen mit Blick auf die Digitalisierung in Schule, Hochschule und Weiterbildung aus. Professor Dr. Bardo Herzig von der Universität Paderborn war einer der Teilnehmer der Gesprächsrunde zur schulischen Bildung. Mit der vorliegenden Studie fasst er die den aktuellen Forschungsstand zur Wirksamkeit digitaler Medien im Unterricht zusammen.