Eine Jugendliche sitzt auf einer Bank in einem Einkaufszentrum, sie ist nur halsabwärts zu sehen. Neben ihr zu ihren Füßen stehen drei Einkaufstüten.
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Wenn es um neue Medien und Elektronik geht, sind Kinder und Jugendliche oft schon bessere Berater und Einkaufsratgeber als Erwachsene. Anders dagegen beim bewussten Umgang mit Geld, bei gesunder Ernährung oder Datenschutz. Dabei wäre es enorm wichtig, wenn gerade Kinder und Jugendliche insgesamt mehr sozial- und umweltverträgliche Produkte und Dienstleistungen einkaufen und entsprechend konsumieren würden. Denn sie sind oft die relevante Konsumentengruppe, die mit ihrem Verhalten Konsumstile einer ganzen Familie, von Schulen oder anderer Organisationen prägt.

Dies deckt sich mit der Wahrnehmung im Alltag durch die breite Bevölkerung. Nach einer aktuellen Umfrage der Bertelsmann Stiftung in Nordrhein-Westfalen glauben nur 16 Prozent der Befragten, dass Kinder und Jugendliche heute mehr als früher beim Einkauf darauf achten, ob die gekauften Produkte sozial- und umweltverträglich hergestellt wurden. In der jüngsten Altersgruppe der Befragten unter 20 Jahren glauben dies zwar mehr, aber auch nur 32 Prozent.

Den größten Einfluss auf das Nachhaltigkeitsbewusstsein und speziell bei Konsumentscheidungen haben nach dieser Umfrage vor allem die Meinungen anderer Kinder und Jugendlicher, die Informationen aus dem Internet und was das Fernsehen vermittelt. Weniger Einfluss messen die Befragten dagegen Produktinformationen, Informationen von Verbraucherzentralen oder Informationen der Landesregierung bei.

Als geeignete Wege, um Kindern und Jugendlichen das Wissen und die richtige Einstellung zu nachhaltigen Produkten zu vermitteln, vertraut die große Mehrheit auf eine entsprechende Weiterbildung von Lehrern, auf die Besichtigung von Unternehmen, die entsprechende Produkte herstellen, und auf die Verwendung solcher Produkte in Schulen selbst.

Im Rahmen eines Nachhaltigkeitsprojektes ermittelte die Bertelsmann Stiftung darüber hinaus bundesweit und international erfolgreiche Beispiele für die Förderung der Konsumkompetenz von Kindern und Jugendlichen. Als wichtigsten Erfolgsfaktor der über ein Dutzend Vorzeigeprojekte erwies sich die Zusammenarbeit von Akteuren aus Kommunen, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.

Die Erkenntnisse mündeten in die Erarbeitung eines umfangreichen Impulspapieres an die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen, das auf der NRW-Nachhaltigkeitstagung in Mülheim an der Ruhr am kommenden Montag (17. November 2014) vorgestellt werden soll.

Als eine wesentliche Maßnahme schlägt die Stiftung die Förderung des Einsatzes von Schulmaterialien für nachhaltigen Konsum vor. Auf speziellen Portalen sollen den Lehrkräften dabei alle zugänglichen und bewährten Materialien an die Hand gegeben werden, die ihnen helfen, das Thema in den Unterricht zu integrieren. Darüber hinaus wird die Förderung von Lernpartnerschaften zwischen Schulen und anderen Institutionen wie Unternehmen, zivilgesellschaftlichen Organisationen oder Verwaltungen vorgeschlagen. Diese Lernpartnerschaften vermitteln Hospitationen oder Referenten aus den Institutionen an Schulen. Schüler sollen zu „Nachhaltigkeitsdelegierten“ ausgebildet und mit Unterstützung der Schulen eigene Aktivitäten wie Schülerfimen oder Schülerhaushalte initiieren.

Über diese praktischen Vorschläge hinaus sollte die Bildung für nachhaltigen Konsum zu einem „strategischen Baustein“ der Landespolitik weiterentwickelt werden, der auch die für Kinder und Jugendlichen relevante Konsumbereiche Bekleidung, Kommunikation, Verkehr, Unterhaltung oder Kosmetik umfasst. Zudem sollten die Angebote zur Verbraucherbildung noch stärker als bisher auf die Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen zugeschnitten werden.

Die Initiative ist Teil des Projektes „Nachhaltigkeitsstrategien erfolgreich entwickeln“ der Bertelsmann Stiftung. Es ist ein Folgeprojekt aus der Verleihung des Reinhard Mohn Preises 2013 für Nachhaltigkeit an den ehemaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan. Dazu sammelt und wertet das Projekt weltweit Impulse, Ideen und Best Practices für Nachhaltigkeitsstrategien aus, macht sie in Deutschland bekannt und überträgt sie exemplarisch auf Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen. Neben der Förderung zur Konsumkompetenz wurden aktuell Vorschläge zur Konsolidierung des Landeshaushaltes sowie zur Teilhabe und dem ehrenamtlichen Engagement von älteren Menschen erarbeitet. Das Projekt wird durch das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW (MKULNV) gefördert.