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Ulfert Engelkes

Eine Gesellschaft, in der alle Menschen Zugang zu hochwertiger Bildung haben und ihre Potenziale entfalten können – unabhängig von Geschlecht, Herkunft, sozialen oder ökonomischen Voraussetzungen, Behinderung oder besonderen Lernbarrieren – das ist die Vision. Auf einem zweitägigen Gipfel zum Thema "Inklusion – Die Zukunft der Bildung" tagten nun über 350 Politiker, Wissenschaftler, Schulträger, Lehrkräfte, Eltern und Schüler, um sich über die Umsetzung inklusiver Bildung in Deutschland auszutauschen, Vorbehalte  abzubauen und aufzuzeigen, wie Inklusion gelingen kann. Zum Abschluss fassten die Teilnehmer in der "Bonner Erklärung zur Inklusiven Bildung in Deutschland" ihre Forderungen, die es zu erfüllen gilt, damit das Menschenrecht auf inklusive Bildung eingelöst werden kann, an Bund, Länder und Kommunen, an Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Wissenschaft zusammen. Ausrichter war die Deutsche UNESCO-Kommission, die gemeinsam mit der Bertelsmann Stiftung, der Aktion Mensch, der Montag Stiftung und vielen weiteren Institutionen am 19. und 20. März nach Bonn lud.

"Inklusive Bildung eröffnet allen Kindern und Jugendlichen faire Chancen auf Bildung", betonte Jörg Dräger. "Inklusion ermöglicht jedem, seine persönlichen Potenziale voll auszuschöpfen und aktiv an der Gesellschaft teilzuhaben." Der Vorstand der Bertelsmann Stiftung sagte zudem: "Inklusion ist die richtige Herangehensweise, den neuen gesellschaftlichen Herausforderungen und der zunehmenden Heterogenität der Lernenden gerecht zu werden."

Wie wichtig es ist, Inklusion weit zu denken, wurde auf dem Gipfel ganz besonders betont. So formulierte Dr. Mmantsetsa Marope von der UNESCO: "Jeder von uns hat irgend ein Handicap". Dr. Marope riet, dass Deutschland sich der Herausforderung stellen solle, ein schlankes, inklusives Bildungssystem umzusetzen – mit Zeitvorgaben und Benchmarks, um das Erreichte zu überprüfen. 

Gipfel inklusiv

In zahlreichen Rundtischen und Podien konnten sich die Teilnehmer bei Politikern, Bildungswissenschaftlern und Experten über den Stand der Umsetzung von Inklusion in Deutschland und anderen Ländern informieren. Auch ein kulturelles Rahmenprogramm bot viele Informationsmöglichkeiten. Unterschiedlichste Workshops über Erfolge, Herausforderungen und Lösungsansätzen boten Teilnehmern die Chance, sich mit verschiedenen Bereichen der inklusiven Bildung auseinander zu setzen. Den Workshop "Strukturelle Fragen der inklusiven Bildung in Deutschland"  leiteten Dr. Ina Döttinger, die in der Bertelsmann Stiftung verantwortlich für das Thema Inklusion im Schulbereich ist, und Prof. Klaus Klemm, Emeritus für Bildungswissenschaften an der Universität Duisburg-Essen. Hier diskutierten die Teilnehmer unter anderem, welche Struktur ein inklusives Bildungssystem benötigt oder auch wie sichergestellt werden kann, dass Inklusion bundesweit ein Qualitätsbegriff wird. Ebenfalls ist der Workshop auf die Kommunen eingegangen und was diese benötigen, um Inklusion im weiten Sinne umzusetzen.

In anderen Workshops ging es um politische und gesetzliche Rahmenbedingungen und den Übergang von der Schule in den Beruf. Auch inklusive Curricula wurden thematisiert, um die Relevanz der Vernetzung und die Professionalisierung der Fachkräfte zu verdeutlichen. Eine große Rolle spielte ebenfalls ein Workshop zur gesellschaftlichen Bedeutung von Inklusion.

Gehört wurden auch die Stimmen junger Menschen. Für sie gab es die Möglichkeit an einem Jugendforum teilzunehmen. Dort  erarbeiteten die Jugendlichen Positionspapiere zu Schwerpunktthemen der inklusiven Bildung. Im Fokus standen dabei Fragen, wie Unterricht und Lehre aussehen sollten, um inklusive Bildung zu ermöglichen, oder welche politischen oder gesetzlichen Grundlagen gelegt sein müssen, damit Inklusion funktioniert. Die Erkenntnisse aus Workshops und Foren flossen in die Bonner Erklärung ein, die die Teilnehmer am Ende des Gipfels verabschiedeten.   

Im Rahmen des Gipfels zeigte eine Ausstellung gute Praxisbeispiele zur inklusiven Bildung. Im Forum der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland statt, stellten Bildungsinstitutionen aus ganz Deutschland ihre gute Inklusionspraxis dar und vermitteln Konferenzteilnehmern ihre Expertise weiter. Darunter waren auch etliche Gewinner des Jakob Muth-Preises für inklusive Schule, den die DUK, die Bundesbehindertenbeauftragte und die Bertelsmann Stiftung seit 2009 vergeben. So stellte die Erich Kästner Schule ihren Projektunterricht vor, während die offene Schule Kassel-Waldau, ihre Arbeitsstufen präsentierte und das Bildungshaus Lurup und die Grundschule Langbargheide ihre Kooperation für inklusive Bildung von klein auf darstellten.

Über den Gipfel

Der Gipfel der Deutschen UNESCO-Kommission wurde in Kooperation mit zahlreichen Institutionen der deutschen Bildungslandschaft veranstaltet. Partner sind neben der Bertelsmann Stiftung die Aktion Mensch, das Bildungs- und Förderungswerk der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, das Deutsche Institut für Menschenrechte, die Heidehof Stiftung, die Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft und die Stadt Bonn. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und die Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland unterstützen den Gipfel zur inklusiven Bildung.