Ein Mädchen und ein Junge stehen vor einer Schultafel und unterhalten sich.
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Die Chancengerechtigkeit in den deutschen Schulsystemen macht zwar stetige, aber nur langsame Fortschritte. Das zeigt der aktuelle Chancenspiegel von Bertelsmann Stiftung, Technischer Universität Dortmund und Friedrich-Schiller-Universität Jena. Weniger Jugendliche verlassen die Schule ohne Abschluss und der Anteil der Jugendlichen, die Fachhochschul- oder Hochschulreife erlangten, ist gestiegen. Der Bildungserfolg jedoch ist nach wie vor stark von der sozialen Herkunft abhängig. Neuntklässler aus höheren Sozialschichten haben in Mathematik bis zu zwei Jahre Vorsprung vor ihren Klassenkameraden aus bildungsferneren Familien.

Bildungschancen auch innerhalb der Bundesländer ungleich verteilt

Der Chancenspiegel analysiert jährlich, wie gerecht und leistungsstark das jeweilige Schulsystem der Bundesländer ist. Bildungsforscher vergleichen dafür die Durchlässigkeit der Schulsysteme sowie die Möglichkeiten der Schüler, sich gut ins Schulsystem zu integrieren, fachliche Kompetenzen zu entwickeln und gute Abschlüsse zu erhalten. Die diesjährige Neuauflage bestätigt: Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind groß, aber kein Land ist in allen Bereichen Spitze oder Schlusslicht. Neu und im Ausmaß überraschend ist, dass Bildungschancen auch innerhalb der einzelnen Bundesländer regional höchst ungleich verteilt sind.

In Bayern etwa verlassen landesweit nur 4,9 Prozent der Jugendlichen ohne Abschluss die Schule. Regional allerdings schwankt dieser Anteil zwischen 0,7 Prozent und 12,3 Prozent – auch bedingt durch das jeweilige Schulangebot vor Ort. Beispiel Sachsen: Hier machen 44,7 Prozent der Schüler Fachabitur oder Abitur. Die kommunale Spannbreite liegt zwischen 32 Prozent und 63 Prozent. „Eine stärkere Unterstützung der regionalen Schulentwicklung durch die Länder ist ratsam. So kann der Entstehung von Ungleichheit begegnet werden, unabhängig von den kommunalen Finanzlagen“, sagte Wilfried Bos, Professor für Schulentwicklungsforschung an der TU Dortmund.

Ausbau der Ganztagsangebote hinkt hinterher

Geringe Fortschritte stellt der Chancenspiegel bundesweit bei schulischen Ganztagsangeboten fest. Zwar besuchen mehr Schüler eine Ganztagsschule, doch der insgesamt langsame Ausbau deckt bei Weitem nicht die Nachfrage der Eltern nach Ganztagsplätzen. Im gebundenen Ganztag – also in Schulklassen, die über den gesamten Tag gemeinsam als Klassenverband unterrichtet werden – lernen lediglich 14,4 Prozent der Schüler. Genau diese Ganztagsform bietet laut Bildungsforschung jedoch gute Rahmenbedingungen dafür, alle Schüler individuell optimal zu fördern und die Nachteile derjenigen Kinder ausgleichen, die in ihren Familien nur geringe Unterstützung erfahren. Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, forderte deshalb einen erheblich schnelleren Ausbau der Ganztagsangebote: „Ein Rechtsanspruch wäre der entscheidende Hebel, damit genügend Ganztagsschulen eingerichtet und bessere Konzepte entwickelt werden.“

Zwischen Fortschritt und Stagnation sieht der Chancenspiegel die Teilhabechancen von Schülern mit Förderbedarf. Zwar gehen immer mehr Kinder und Jugendliche mit Förderbedarf auf eine Regelschule, der Anteil der Sonderschüler jedoch bleibt konstant. „Dieses Doppelsystem schließt nach wie vor fast 5 Prozent aller Schüler vom Regelschulsystem aus. Außerdem bindet es wichtige Ressourcen, die für guten inklusiven Unterricht in den Regelschulen gebraucht werden“, sagte Dräger.

Der Chancenspiegel wird in den kommenden Jahren fortgeschrieben. Alle Informationen sind übersichtlich und grafisch aufbereitet unter www.chancen-spiegel.de.

Publikation

Chancenspiegel 2014

Die Frage nach den Merkmalen gerechter und leistungsfähiger Schulsysteme ist noch immer aktuell. Der Chancenspiegel stellt sich dieser Frage ... weiterlesen