2015 (PDF)

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Leseprobe

Seit Jahren sinkt die Wahlbeteiligung in Deutschland auf allen staatlichen Ebenen. Vor allem die sozial schwächeren Milieus nehmen immer weniger am Prozess der politischen Willensbildung teil. Daher stellt sich die Frage, wie die Wahlbeteiligung in Deutschland stabilisiert, erhöht und vor allem sozial wieder weniger selektiv werden kann. Die vorliegende Studie „Wählen ab 16 – Ein Beitrag zur nachhaltigen Steigerung der Wahlbeteiligung“ zeigt auf, wie durch eine Herabsetzung des Wahlalters und eine Mobilisierung der Erstwähler die Beteiligung langfristig erhöht werden kann.

Die Prognosen einer Simulationsrechnung für die Beteiligung an den Bundestagswahlen bis ins Jahr 2049 weisen nach: Die Erstwahlbeteiligung kann ein strategischer Hebel zu einer Steigerung der Gesamtwahlbeteiligung sein. Steigt die Erstwahlbeteiligung um ein Drittel, führt das allein langfristig zu einem Wiederanstieg der Gesamtwahlbeteiligung auf etwa 80 Prozent.

Anhand von vier Fallbeispielen – Österreich, Bremen, Brandenburg und Hamburg – wird dargestellt, dass viele der gängigen Vorurteile und Argumente gegen eine Herabsetzung des Wahlalters Mythen sind. In den vier (Bundes-) Ländern ist das Wahlalter bereits auf 16 Jahre herabgesetzt worden. Die Jugendlichen dort interessieren sich für Politik, wollen wählen und können auch wählen.

Die Erfahrungen zeigen aber auch, dass „Wählen ab 16“ kein Selbstläufer ist: Es funktioniert nur, wenn Jugendliche mit geeigneten Maßnahmen auf ihre ersten Wahlen vorbereitet werden. Zur Steigerung der Erstwählerbeteiligung bedarf es einer Unterstützung und Begleitung der Jugendlichen – nicht nur kurzfristig vor Wahlen. Um sie beim Erlernen und Erleben von demokratischen Prinzipien zu unterstützen und ihre politische Kompetenz nachhaltig zu steigern, bedarf es aber langfristiger Maßnahmen – in ihrem unmittelbaren sozialen Umfeld und insbesondere in den Schulen.