1. Auflage 2001 , 300 Seiten (Hardcover)

ISBN 978-3-89204-564-9

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Reinhard Mohn ist eine der großen deutschen Unternehmerpersönlichkeiten: In wenigen Jahrzehnten machte er aus dem mittelständischen Betrieb Bertelsmann einen der größten Medienkonzerne der Welt. Mohns wirtschaftlicher Erfolg paart sich mit einem ausgeprägten Sinn für gesellschaftliche Verantwortung, der seinen Niederschlag findet in Mohns Idee der partnerschaftlichen Unternehmenskultur und der Gründung der Bertelsmann Stiftung.

Seine Überlegungen hatte Mohn zuletzt in dem Buch „Menschlichkeit gewinnt“ zusammengefasst, in dem er die Übertragung moderner Führungstechniken aus der Wirtschaft auf alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens fordert, um den Reformstau zu überwinden.

Zum 80. Geburtstag Reinhard Mohns erscheint der Band „Reinhard Mohn: Unternehmer – Stifter – Bürger“, mit Beiträgen prominenter Autoren wie Johannes Rau, Roman Herzog, Joschka Fischer, Henry Kissinger und Teddy Kollek. Der Band vereint persönlich gehaltene Betrachtungen von Weggefährten Reinhard Mohns und Aufsätze zu den Themen, die Reinhard Mohn als Unternehmer und Stifter besonders beschäftigt haben. Ein repräsentatives Lesebuch für alle, die die Gedankenwelt des großen deutschen „Unternehmer-Pädagogen“ (Klaus von Dohnanyi) kennen lernen wollen.

 

Leseprobe:

Reinhard Mohns immer neu formuliertes Bekenntnis, man müsse das Bestehende jederzeit in Frage stellen und mit besseren Lösungen konfrontieren, ist, richtig verstanden, eine zutiefst konservative Devise. Mit diesen ebenso gewachsenen wie besonnenen Konservatismus setzt Reinhard Mohn sich womöglich am weitesten vom ewig erregten Zeitgeist ab, der das Neue aus keinem anderen Grund verlangt und feiert, als weil es das Neue ist. Er dagegen fordert stets, daß das Neue auch einleuchtend sein und verbesserten Verhältnissen nicht nur im Gemeinwesen dienen müsse. Vielmehr habe es auch, seiner begründeten Überzeugung zufolge, die überall brachliegenden Fähigkeiten der Menschen zu fördern, ihren Ehrgeiz sowohl zu stärken als auch zu befriedigen sowie dem Verlangen nach verantwortungsvollem Tun und damit nach Lebenssinn entgegenzukommen. Die Bereitschaft dazu, so glaubt er nicht nur, sondern sieht es durch eine lebenslange Praxis wieder und wieder bewiesen, ist durchweg vorhanden. Man muß sie lediglich wecken: Das sei, hat er so oder ähnlich immer aufs neue hervorgehoben, die erste und vornehmste Aufgabe des Unternehmers. Dessen noch immer weithin vorherrschendes, vor allem vom radikaleren Gewerkschaftsflügel angestrengt am Leben erhaltenes Bild, das eher der aus der Zeit gefallenen Fabrikantenfigur des 19. Jahrhunderts entspricht, hat er in Wort und Wirken mit unübersehbar modernen Zügen versehen. Daß es nicht mehr gilt, zählt auch zu seinen Verdiensten. In Reinhard Mohns Worten: "Wir sind zu gut", und das meinte immer: zu aufgeschlossen, zu gemeinschaftsbewußt und zu weitsichtig, "als daß wir gewerkschaftlicher Hilfe bedürften." […]

Wer Reinhard Mohn je aus einiger Nähe kennenlernte, hat hinter aller Verhaltenheit, die ihm eigen ist, etwas von der Leidenschaft, der Spannung und der zielgerichteten Energie wahrnehmen können, mit der er dem einen wie dem anderen dient. Aus der Zeit jedenfalls hat er sich nie entfernt, sondern von ihren Bedürfnissen, ihren Notwendigkeiten und Zukunftsaufgaben mehr erfaßt und mehr ins Werk gesetzt als viele, die sich an ihrer Spitze sehen.

(Aus dem Beitrag von Joachim Fest: „Unternehmer in der Zeit“)