Karikaturenstreit muss nicht zum Kulturkampf werden
Ende Februar entschuldigte sich die dänische Zeitung "Politiken" bei Muslimen für die Mohammed-Karikaturen im Jahr 2008. Dies führte zu empörten Reaktionen - dieses Mal in Dänemark. Bahnt sich dort eine neue Auseinandersetzung an?
Auch wenn die Akteure bisher den Begriff "Kulturkampf" weitgehend vermieden haben, fragen viele Bürger angesichts der wieder aufflammenden Diskussion, ob sich beide Seiten nicht genau darauf zubewegen und wie er zu vermeiden ist.
Die Bertelsmann Stiftung versucht mit ihrer Studie "Kultur und Konflikt in globaler Perspektive" etwas Sachlichkeit in diese emotional geführte Debatte zu bringen. Sie definiert kulturelle Konflikte als innerstaatliche, zwischenstaatliche oder transnationale politische Konflikte, in denen die Konfliktfelder Sprache, Religion und oder Geschichte in den Vordergrund gerückt werden. Auslöser sind aber zumeist machtpolitische oder sozioökonomische Ursachen. Bezogen auf den Karikaturenstreit ließe sich dieser zwar als ein kultureller Konflikt bezeichnen. Aber er taugt trotzdem nicht dazu, die These von einem "Kampf der Kulturen" zu belegen. Folgendes spricht für diese Sichtweise: Es gibt zahlreiche nicht-kulturelle Erklärungsmodelle für die Karikaturen in dänischen Zeitungen, die beispielsweise auch in einer verschärften Zuwanderungspolitik seit Ende der 90er Jahre liegen. Auf der anderen Seite sind zahlreiche anstachelnde Aufrufe zum Protest durch arabische Regierungen und einflussreiche muslimische Organisationen, die eigene politische Interessen verfolgten, bei kleinen Teilen der Bevölkerung auf fruchtbaren Boden gefallen.
Zweitens verläuft die politisch relevante Konfliktlinie nicht zwischen den Religionen an sich, sondern an der Grenzlinie zwischen Fundamentalisten und dialogorientierten Akteuren über alle Religionen hinweg. Die Schärfe der Auseinandersetzung und der Einfluss der Medien haben darüber hinweg getäuscht, dass nur ein Bruchteil aller Muslime an den gewaltsamen Protesten beteiligt war.
Dennoch erfordert die gewalttätige Eskalation des Karikaturenstreites dringend eine friedliche Auflösung, um größere Auseinandersetzungen zukünftig zu verhindern. Die Ergebnisse der Studie machen deutlich, dass kulturelle Konflikte nicht automatisch zu Gewalt führen müssen. Vielmehr zeigt sie, dass in allen untersuchten Fällen, in denen gewaltsames Handeln einvernehmlich beendet wurde, die Akteure auch lernen, wie sie zukünftig ohne Gewalt miteinander auskommen können. Erfolgsfaktoren hierfür sind neben nicht-kulturellen Größen die Grundprinzipien des interkulturellen Dialogs: Wertschätzung von Vielfalt, Gleichwertigkeit des Gegenübers und die interkulturelle Kompetenz der Akteure.
Projekt
Publikation
Kultur und Konflikt in globaler Perspektive
Der Publikation der Bertelsmann Stiftung liegt eine Studie zugrunde, die untersucht hat, in welchen Konflikten kulturelle Faktoren eine Rolle spielten und inwieweit sie die Konflikte hinsichtlich der Gewalt-Intensität beeinflusst haben.
weiterAudio & Video
Film zur Studie ''Kultur und Konflikt in globaler Perspektive''
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