Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung: Soziale Schere öffnet sich weiter
Regionale Netzwerke für Kinder aufbauen und Mittel gezielt einsetzen
Der Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung verdeutlicht die zunehmende soziale Spreizung der Gesellschaft. Damit künftig alle Kinder und Jugendlichen vergleichbare Entwicklungschancen haben, müssen aus Sicht der Bertelsmann Stiftung Gesundheit und Bildung zusammen betrachtet werden. Hierzu sind regionale Kooperationsstrukturen nötig, die die Zusammenarbeit verschiedener Akteure vor Ort sichern.
"Wenn Investitionen in Gesundheit und Bildung wirksam sein sollen, müssen wir bei der Verteilung die Vielfalt der Kinder und ihrer Lebenswelten berücksichtigen," sagt Anette Stein, Bildungsexpertin der Bertelsmann Stiftung: "Jedes Kind ist anders - entsprechend unterschiedlich müssen auch Entwicklungs- und Bildungsangebote sein."
Dem Kinder- und Jugendbericht zufolge haben sich die Bedingungen für eine positive gesundheitliche Entwicklung von Kindern zwar in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verbessert. Hiervon profitiert der Nachwuchs in sozial benachteiligten Familien aber kaum. Zu ähnlichem Ergebnis seien in der Vergangenheit auch andere Studien wie die KiGGS-Studie des Robert-Koch-Instituts gekommen, erläutert Anette Stein, die das Programm "Wirksame Bildungsinvestitionen" der Bertelsmann Stiftung leitet: "Neu ist die Erkenntnis also nicht, es mangelt auch nicht an Konzepten und guten Praxisbeispielen, die Gesundheit und Bildung von Kindern gemeinsam im Blick haben." Dennoch konnten sich gute Ansätze bislang nicht in der Breite durchsetzen.
Nach den Erfahrungen der Bertelsmann Stiftung müssen die verschiedenen Akteure für eine erfolgreiche Förderung das Kind in den Mittelpunkt stellen - nicht die eigene Institution oder Profession. "Ärzte sehen ein Kind aus medizinischem Blickwinkel, Erzieherinnen und Lehrer betrachten es aus - unterschiedlicher - pädagogischer Sicht", so Stein. Benötigt werde aber ein gemeinsamer Blick auf das Kind: "Das gelingt nur, wenn die Beteiligten im Dialog ein verlässliches System zur Unterstützung von Kindern und ihren Familien entwickeln."
Doch nach Ansicht der Bildungsexpertin gibt es vor Ort zwar viele Institutionen, Organisationen und Personen, die sich für Kinder engagieren und dabei zusammenarbeiten wollen. In regionalen Netzwerken fehle es aber häufig an Verbindlichkeit und einer klaren Verantwortung für die Steuerung lokaler Angebote und Aktivitäten. "Um Kooperationen nicht nur von dem persönlichen Engagement Einzelner abhängig zu machen, sind verbindliche Strukturen notwendig, so Stein: "Ohne zentrale Koordination gibt es keine langfristig angelegte und sinnvolle Verzahnung der verschiedenen Angebote". Diese Steuerungs- und Koordinationsrolle müsse bei den Kommunen liegen.
Gesunde Lebens- und Lernwelten für alle Kinder ist das Ziel mehrerer Projekte der Bertelsmann Stiftung. Neben dem Aufbau regionaler Netzwerke für Kinder wurden dabei vier weitere zentrale Ansatzpunkte identifiziert, die Gesundheits- und Bildungschancen aller Kinder verbessern können:
- Finanzielle und kulturelle Barrieren für Benachteiligte abbauen, um Kindern und Eltern den Zugang zu Gesundheits- und Bildungsangeboten zu erleichtern
- Die Qualität der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung verbessern
- Steuerungsinstrumente entwickeln, die Chancen und Risiken für das Aufwachsen von Kindern anhand von Daten transparent machen
- Ungleicher Mitteleinsatz kann vergleichbare Entwicklungschancen schaffen: Ressourcen müssen gezielt und bedarfsorientiert eingesetzt werden. Einige Kinder müssen stärker gefördert werden als andere, in einigen Stadtteilen werden mehr Ressourcen benötigt als in anderen.
Im 13. Kinder- und Jugendbericht stellt die Sachverständigenkommission des BMFSFJ die Zusammenhänge von Gesundheit und Bildung dar und macht deutlich, dass ganzheitliche Ansätze notwendig sind, um Kindern und Jugendlichen bessere Entwicklungs- und Teilhabechancen zu ermöglichen: Gesundheit, Bildung und soziale Integration sind der Schlüssel für das gesunde Aufwachsen aller Kinder.
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Publikation
Kommunale Netzwerke für Kinder
Kommunen sind Lebens- und Lernort von Kindern. Die Bertelsmann Stiftung hat deshalb gemeinsam mit der Heinz Nixdorf Stiftung in den Städten Chemnitz und Paderborn das Modellprojekt "Kind & Ko" initiiert. Erprobt wurde die Umsetzung eines kommunalen Netzwerkes, das die Aufgabe hat, Kinder zu begleiten.
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