Die Entwicklung des gemeinnützigen Sektors in Deutschland
Als gemeinnütziger oder "Nonprofit"-Sektor wird der Bereich der Gesellschaft bezeichnet, der weder staatlich noch gewinnorientiert organisiert ist. Ob Sportverein, Wohlfahrtsverband, Hilfsorganisation, Elterninitiative oder Bürgerstiftung: gemeinnützige Organisationen haben einen großen Einfluss auf das tägliche Leben fast aller Bürger. Viele Leistungen in den Bereichen Gesundheit, Soziales, Bildung, Sport, Kunst, Kultur und Umweltschutz können nur durch ehrenamtliches Engagement erbracht und aufrechterhalten werden. Das Mitwirken von Bürgern an der Lösung gesellschaftlicher Fragestellungen fördert darüber hinaus die Kohäsion einer pluralen Gesellschaft. Der gemeinnützige Sektor in Deutschland zeichnet sich in den letzten Jahren sowohl durch ein rapides Wachstum als auch durch tiefgreifende Veränderungen aus. Diese Entwicklungen beeinflussen das gesellschaftliche und wirtschaftliche Gesamtgefüge entscheidend.
Welche Ausprägung und Bedeutung der gemeinnützige Sektor in Deutschland heute wirklich hat, ist weitgehend unbekannt. Die empirischen Daten zur ökonomischen, arbeitsmarkt- und gesellschaftspolitischen Bedeutung sowie zur inneren Struktur dieses Bereiches der Gesellschaft wurden seit 11 Jahren nicht mehr aktualisiert. Die Bemühungen um bessere politische, finanzielle und strukturelle Rahmenbedingungen für den gemeinnützigen Sektor basieren somit oft auf veralteten Daten und ungesicherten Annahmen.
Die Ziele des Projekts
Das Projekt "Zivilgesellschaft in Zahlen" erhebt systematisch und zeitnah die bisher fehlenden Daten und ermöglicht es so, die gegenwärtige Situation differenziert abzubilden. Zukünftigen Veränderungen und Entwicklungen wird durch kontinuierliche Datenerhebungen Rechnung getragen.
Das Projekt will
- Strukturen und Prozesse zu schaffen, mit denen künftig die kontinuierliche Erhebung aktueller Grundlagendaten zum gemeinnützigen Sektor gewährleistet wird.
- anhand der erhobenen Zahlen einen länderübergreifenden Vergleich zu ermöglichen.
- die Kommunikation der Daten an eine breite Öffentlichkeit sowie
- die Entwicklung von Zukunftsperspektiven im Dialog mit Politik, Wissenschaft und Akteuren der Zivilgesellschaft
Methodische Grundlagen und Vorgehensweise
Das Projekt basiert auf international anerkannten Erhebungsmethoden, wie sie im "UN Handbook on Non-Profit Institutions in the System of National Accounts" zusammengefasst sind und bereits in zahlreichen Ländern angewandt werden. "Zivilgesellschaft in Zahlen" macht diese Erhebungsmethoden auch für Deutschland nutzbar. Unter anderem sollen die bereits beim Statistischen Bundesamt, den Statistischen Landesämtern, Verbänden und anderen Organisationen des gemeinnützigen Sektors vorliegenden, bisher jedoch nicht hinreichend aufbereiteten, Daten zusammengeführt werden. Dadurch werden gleichzeitig die Grundlagen für eine Satellitenrechnung gelegt, welche mittelfristig als Teil der amtlichen Statistik etabliert werden soll. Die zu einer ganzheitlichen Erfassung des Sektors noch fehlenden Daten werden durch Primärerhebungen gewonnen.
Die Ergebnisse für die Gesellschaft
Anhand der kontinuierlichen Datenerhebung und der Kommunikation der Resultate wird sichtbar gemacht, welche Leistungen der gemeinnützige Sektor erbringt und welche Auswirkungen er auf unsere Gesellschaft und Wirtschaft hat. Es wird aufgezeigt, welche Faktoren die Entwicklung dieses Sektors fördern oder hemmen und welche Schritte in die Wege zu leiten sind, um diesen Sektor zu stärken. Das Projekt schafft zudem die Grundlage dafür, dass gemeinnützige Organisationen ihre Interessen fundierter vertreten können.
Nachrichten
Gütersloh - 09.12.2009
Zivilgesellschaft: Wissen wir eigentlich über was wir reden?
"Derzeit wissen wir mehr über den Tierbestand in der deutschen Landwirtschaft als über zivilgesellschaftliche Fragen. Und das obwohl der Beitrag der Zivilgesellschaft zum Bruttosozialprodukt in Deutschland zirka 8- bis 9-mal so hoch ist, als der der Landwirtschaft", kritisierten Professor Helmut Anheier und die rund 60 Vertreter aus gemeinnützigem Sektor, Wissenschaft und Politik auf der Veranstaltung "Auf dem Weg zu einem 'Informationssystem Zivilgesellschaft'" in Berlin.
weiter













