"Die Faszination ist geblieben" - Junge Operntalente im Porträt
Teil 2 unserer Serie: Sängerin Christiane Karg
In unserer Serie zum Gesangswettbewerb "Neue Stimmen" der Bertelsmann Stiftung stellen wir junge Opern-Talente vor. Christiane Karg ist eine der ganz wenigen deutschen Preisträgerinnen.
Rumms... Der Kellner stellt den "Iced Café to go" auf die Theke, wirft zwei Trinkhalme hinterher und wendet sich ab. "Unmöglich" – Christiane Karg packt den Trinkhalm aus, knüllt das Papier zusammen und wirft es ihm zurück. "Was sich manche Bedienungen einbilden", sagt sie und schüttelt den Kopf. Nicht aus Arroganz. Aus Bodenhaftung. Denn sie, die heute als Papagena in der "Zauberflöte", als Susanna in "Le nozze die Figaro" oder als Musetta in "La Bohème" auf der Bühne der Oper Frankfurt steht, hat selbst jahrelang gekellnert. Manchmal, wenn sie ihre Eltern im bayerischen Feuchtwangen besucht, bindet sie sich heute noch die Schürze um, bringt Kaffee und Torte an die Tische. "Meine Eltern haben ein Café in einem alten Kloster", sagt sie. "Wir sind ein Familienunternehmen, da mussten meine Schwestern und ich schon früh mithelfen."
Eine Schwester arbeitet heute als Konditorin und Schokoladenkünstlerin, die andere geht auf die Hotelfachschule. Und Christiane – steht auf der Bühne. Eine Karriere, die im Gang des alten Klosters begann: "Dort fanden jeden Sommer die Kreuzgangfestspiele statt. Von meinem Kinderzimmer aus konnte ich den ganzen Hof überblicken. Das hat mich geprägt." Und natürlich die Musikleidenschaft ihres Vaters, der sie mit ins nahe gelegene Bayreuth nahm: "Die Faszination ist geblieben."
Schon als Kind sang sie im Gottesdienst, nahm an den Wettbewerben von "Jugend musiziert" teil, gewann auf Landes- und Bundesebene. Nach dem Abi (Note: 2,0) schaffte sie die Aufnahmeprüfung am Salzburger Mozarteum – auf Anhieb. Und hatte das Glück, mit Heiner Hopfner einen Professor zu bekommen, der sie bis heute fördert und begleitet: "Er hat meine Stimme so gelassen, wie sie war. Er hat darauf geachtet, dass ich mich nicht überfordere, nichts kopiere, sondern einfach so bin, wie ich bin. Damit hat er mir sehr geholfen", sagt sie und zwinkert beim Lächeln in die Sonne, die sich im Wasser der Hamburger Binnenalster spiegelt.
Ein Ort mit Symbolkraft. "Als ich 2006 das Angebot bekam, ans Hamburger Opernstudio zu gehen, war die Alster das erste, was ich von der Stadt sah. Da wusste ich, hier will ich bleiben." Spannend sei diese Zeit gewesen. Mit einer Wohnung "auf der Schanze", einem bunten, quirligen Viertel. "Viel weggehen konnte ich nicht, da ich abends auf der Bühne stand. Aber es war gut zu wissen, dass direkt vor der Haustür alles so lebendig war." Trotzdem entschied sie sich am Ende, in Hamburg zu kündigen. Andere Angebote – wie von der Oper in Frankfurt – und grundsätzlich die Lust auf Neues waren zu verlockend.
Lampenfieber hat Christiane Karg nie gekannt: "Ich hab mein erstes Solo mit zehn gesungen. Da ist man nicht mehr nervös." Geholfen habe ihr auch der internationale Wettbewerb "Neue Stimmen" der Bertelsmann Stiftung, bei dem sie 2007 den sechsten Platz belegte. Als eine der ganz wenigen deutschen Preisträger. "Zu vielen Teilnehmern habe ich bis heute Kontakt. Sie kommen aus der ganzen Welt. Wir Deutschen haben ja international nicht so gute Karten. Die Stimmqualität einer südamerikanischen Stimme ist wärmer, die Stimme ist größer, hat eine andere Farbe. Natürlich will man die große italienische Oper singen. Es gibt wenige Deutsche, die das können. Schon gar nicht als Einstieg."
Sich nicht verheizen zu lassen, sich nicht gleich zu viel zuzumuten, das lerne man bei den "Neuen Stimmen". Auch, wenn es im Kulturbetrieb wie in der freien Wirtschaft zugehe, dürfe man nicht vergessen, dass man vor allem eines bleibe: Künstlerin! Deshalb genießt Christiane Karg ihre Engagements, reist um die Welt, nimmt gerade ihre erste CD auf. Zeit fürs Private ist rar, auch wenn ihre Familie oft im Publikum sitzt. Doch was ist mit einem Partner, einer eigenen Familie? Da lacht sie. Schaut etwas verträumt: "Ich bin nicht frei. Ich arbeite viel. Vielleicht zu viel. Aber das ist im Moment richtig. Wenn irgendwann der Traummann kommt, ist eh alles egal. Aber er muss schon jemand besonderes sein. Jemand, für den man sein Leben auch ändern würde." Wo sie mit ihm dann leben will? Wieder dieses Lachen. Und dann: "In Norditalien – am liebsten in einer Villa am Comer See."
Das Porträt von Sängerin Christiane Karg ist zuerst in "change" 3/2009 erschienen - dem Magazin der Bertelsmann Stiftung / Text: Tanja Breukelchen.














