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Gütersloh, 30.01.2012

Zweite Generation von Zuwanderern identifiziert sich mit ihrer deutschen Stadt

Andere europäische Länder ermöglichen jungen Menschen aus Einwandererfamilien bessere Bildungserfolge

pm
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© Thomas Kunsch, Neubrandenburg

70 Prozent der jungen Menschen im Alter von 18–35 Jahren aus Zuwandererfamilien identifizieren sich mit ihrem Stadtteil oder Kiez. Das ist ein höherer Wert als bei den "Einheimischen". Zu diesem Ergebnis kommt eine europäische Vergleichsstudie zur Integration von Zuwanderern der zweiten Generation (TIES).

Gleichzeitig zeigt die Studie auch, dass die zweite Generation der sogenannten damaligen „Gastarbeiter“ in anderen europäischen Ländern wesentlich bessere Bildungsabschlüsse erzielt als in Deutschland - vor allem, weil es hier nicht gelang, den Bildungserfolg vom elterlichen Bildungsniveau und der elterlichen Unterstützung abzukoppeln.

In Deutschland hatten Befragte aus türkischen Familien mit niedrigem elterlichen Bildungsniveau und wenig Unterstützung praktisch keine Chance, einen Hochschulabschluss zu erreichen, während dies für bis zu 40 Prozent der Befragten in anderen Ländern gilt. Auffällig ist, dass die zweite „jugoslawische“ Generation sich überraschend stark an die Kontrollgruppe ohne Migrationshintergrund annähert, während die befragten Türkeistämmigen wie erwartet deutlich schlechtere Bildungsabschlüsse erreicht haben. Im Vergleich mit den Eltern ist allerdings der Bildungsaufstieg in dieser Gruppe besonders groß. Jens Schneider, Wissenschaftler und Mitinitiator der TIES-Studie erklärt hierzu: “Die internationalen Vergleiche zeigen, dass es in einigen Ländern durchaus gelingt, den jungen Erwachsenen der zweiten Migrantengeneration unabhängig von Ausbildung und Herkunftsland der Eltern bessere Bildungsabschlüsse zu ermöglichen – durch Faktoren wie längeres gemeinsames Lernen oder durch eine zweite oder dritte Chance”.  Seine Kollegin Maren Wilmes, Wissenschaftlerin vom IMIS-Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien der Uni Osnabrück, zieht hierzu das Fazit: “Die Schlüsselfrage ist: Wie kann Benachteiligung in Bildung und Ausbildung abgebaut werden? Denn bei den hier aufgewachsenen Jugendlichen geht es eigentlich gar nicht um Integration, sondern vielmehr um den Abbau von Benachteiligung und die Ermöglichung von fairen Bildungs- und Teilhabe-Chancen."

Die TIES-Studie provoziert mit der Forschungsfrage: „Wer ist eigentlich einheimisch?“ Die Befragten aus der Nachfolgegeneration der früheren “Gastarbeiter” fühlen sich beispielsweise zu 70 Prozent mit ihrem Stadtteil verbunden, so die Daten der TIES-Studie für Frankfurt/Main und Berlin. Das Maß an Identifikation mit Deutschland und der jeweiligen Stadt ist ebenfalls überraschend hoch. Offensichtlich besteht für die untersuchte Gruppe der jungen Erwachsenen, deren Eltern aus der Türkei oder dem ehemaligen Jugoslawien stammen, kein Widerspruch zwischen ihrer Identifikation mit dem Herkunftsland ihrer Eltern einerseits und ihrer deutschen oder lokalen Identität andererseits. Allerdings können Erfahrungen mit Diskriminierung im Alltag zur reaktiven Abkehr vom Geburtsland führen. „Die TIES-Studie zeigt, dass die hier geborenen Jugendlichen aus Zuwandererfamilien sich mit ihrer Stadt identifizieren. Es ist wichtig, dass sie auch von der Gesellschaft akzeptiert werden", so Claudia Walther, Bertelsmann Stiftung.

Im vollbesetzten Plenarsaal des Frankfurter Römer präsentierten am 26. Januar 2012 Wissenschaftler der Universität Osnabrück (Institut IMIS) die Ergebnisse ihrer aktuellen Forschung im Rahmen des TIES-Projektes („The Integration of the European Second Generation“) und diskutierten diese mit Fachleute der lokalen und internationalen Integrationsarbeit. Als Fazit formulierte Gastgeberin Helga Nagel vom Frankfurter AMKA (Amt für Multikulturelle Angelegenheiten): “Im Städte- und Ländervergleich wird deutlich, wie stark die Ergebnisse von den sozialen, institutionellen und politischen Bedingungen auf lokaler und auf nationaler Ebene abhängen. Auch wenn die Studie bescheinigt, dass die 2. Generation in Frankfurt grundsätzlich erfolgreicher ist als in Berlin: Die Herausforderung, faire Bildungs- und Teilhabe-Chancen zu schaffen, bleibt.”

Die Abkürzung TIES steht für The Integration of the European Second Generation. Die europäisch-vergleichende TIES-Studie beschäftigt sich mit den langfristigen Folgen der frühen Arbeitsmigration aus der Türkei, dem ehemaligen Jugoslawien und Marokko. Untersucht werden die erwachsenen Kinder von ehemaligen Gastarbeitern. Die TIES-Studie wurde von der Universität Amsterdam international koordiniert, der deutsche Projektpartner ist das Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück. Das Projekt begann im Jahre 2005. Insgesamt wurden fast 10.000 Teilnehmer in 15 Städten aus acht europäischen Ländern befragt.

Download der Studie: http://www.imis.uni-osnabrueck.de/PUBLIKAT/imiszeitschrift.html

Weitere Informationen unter: www.Tiesproject.eu.


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