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Gütersloh, 18.01.2008

Perspektiven für eine friedliche Nachbarschaft gesucht

Vor 15 Jahren wurden die ersten "Kronberger Gespräche" geführt

Gruppenbild der
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Gruppenbild der "Kronberger Gespräche" 2008. Ein Jahr später fanden die "Kronberger Gespräche" zum ersten Mal nicht in Deutschland statt, sondern in Riad.
Fotograf: Martin Joppen

Es ist ein ehrgeiziger Plan, der vor 15 Jahren erstmals in die Tat umgesetzt wird: Auf Initiative der Bertelsmann Stiftung setzen sich Vertreter der Konfliktparteien im Nahen Osten an einen Tisch, um gemeinsam eine friedliche Zukunft in ihrer Region zu entwerfen und Vorschläge zur Gestaltung einer transmediterranen Partnerschaft zu entwickeln. In einem idyllischen Taunusstädtchen nahe Frankfurt werden im Januar 1995 die ersten "Kronberger Gespräche" geführt.

Nordafrika und der Nahe Osten sind instabile Nachbarn in Europas Süden: Um zur Konfliktlösung vor Ort beizutragen und die Beziehungen der Region mit der Europäischen Union zu verbessern, startete die Bertelsmann Stiftung vor 15 Jahren die Initiative "Europa und der Nahe Osten - Perspektiven für eine zukünftige Zusammenarbeit". Zum Auftakt des Projektes, das gemeinsam mit der Forschungsgruppe Europa am Centrum für angewandte Politikforschung der Universität München getragen wird, kommen nahöstliche, nordafrikanische und europäische Experten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zu einer zweitägigen Konferenz nach Kronberg.

Zu den Teilnehmer zählen unter anderem der damalige Staatsminister im Auswärtigen Amt, Helmut Schäfer, der ehemalige türkische Außenminister Hikmet Cetin, der damalige Landwirtschaftsminister Marokkos und der amtierende Vizepräsident der Weltbank, Caio Koch-Weser.

Der transmediterrane Dialog, der seit 1995 jährlich am gleichen Konferenzort fortgesetzt wird, begleitet kritisch die Absicht der Europäischen Union, bis 2010 einen gemeinsamen Wirtschafts- und Kulturraum von Finnland bis Marokko und von Irland bis Jordanien zu schaffen. Darüber hinaus werden Wege und Ziele definiert, um den Friedensprozess zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn zu stärken.

An den bisherigen Konferenzen und den angeschlossenen Workshops haben insgesamt fast 1.000 Teilnehmer aus Europa, Amerika, Russland, der Türkei, Israel, Iran und der arabischen Welt mitgewirkt. Die Gespräche haben sich dabei als Ideenpool, Kontaktbörse und Vertrauensanker institutionalisiert und konnten auch in Zeiten von Krieg und Konflikten im Nahen Osten stattfinden.

Im vergangenen Jahr tagte das Forum erstmals in der saudiarabischen Hauptstadt Riad. "Wenn wir an die Potenziale Europas und der Golf-Region denken, dann erahnen wir, was diese beiden Regionen alles einbringen können, um die globale Finanz- und Wirtschaftskrise überwinden zu helfen und auf dem Weg eines nachhaltigen Wachstums, einer nachhaltigen Modernisierung und Entwicklung gemeinsam voranzukommen", sagte Gunter Thielen im Mai 2009 zur Eröffnung des zweitägigen Treffens. Die verschiedenen Konflikte im Nahen Osten seien alle eng miteinander verwoben, so der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung: "Vielleicht ist es jetzt an der Zeit, nicht mehr - wie in der Vergangenheit - an jedem einzelnen Konflikt 'herumzumanagen', sondern alle Probleme offen auf einen Tisch zu legen."


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