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30.11.2006

„Warum soll ich das denn lernen?“

Die Schule selbst müsse eine demokratische Gesellschaft sein, fordert der finnische Erziehungswissenschaftler Matti Meri

Transparenz und Mitbestimmung haben das finnische Schulsystem verändert: Nur die Kernziele sind vorgegeben. Darüber hinaus haben Lehrer, Schüler und Eltern weit reichende Gestaltungsmöglichkeiten. Wie das funktioniert, erläuterte der Direktor des Instituts für angewandte Erziehungswissenschaften, Universität Helsinki, in seinem Vortrag „Pluralistische Schule in einer demokratischen Gesellschaft: Konsensfindung und Schulentwicklung im Dialog“.

Demokratie sei nicht nur das Fundament der europäischen Gesellschaft. Sie sei auch eine Haltung, eine Lebensform. Angewandt auf das System Schule ergäben sich daraus viele Fragen: Ist die Schule selbst eine demokratische Gesellschaft? Welches Wissen, welche Einstellungen, welche Kultur wird vermittelt? Ist der Zugang zu Bildung demokratisch? Diese Frage beantwortete Finnland mit seiner aus unserer Sicht revolutionären neunjährigen Gemeinschaftsschule und schuf damit das – nach PISA - erfolgreichste Bildungssystem der Welt.

Demokratie braucht mündige Bürger. Dem entsprechend klingt der Leitgedanke der finnischen Schulbildung nicht überraschend: Die Kinder sollen in der Schule die Gelegenheit erhalten, Menschlichkeit, Selbstbewusstsein und Kritikfähigkeit zu entwickeln. Auch eine Ebene darunter, in Bezug auf die Lernziele, geht es noch lange nicht um Wissen im herkömmlichen Sinne: Die Lernziele bestünden unter anderem darin, berichtete Matti Meri, die Schüler zu Persönlichkeiten heranwachsen zu lassen, ihre Individualität zu achten, sie in sozialem Verhalten zu üben und ihnen die Bedeutung ästhetischer Erfahrungen zu vermitteln. 
Sie sollen zu engagierten Staatsbürgern mit unternehmerischer Einstellung heranwachsen, in Kommunikation und Medienkompetenz geschult werden, Verantwortung für die Umwelt entwickeln und sich für technischen Fortschritt interessieren.

Wie das geschehen kann, dazu machen sich viele Fachleute auf den Ebenen Wissenschaft, Politik und Verwaltung Gedanken. Das Ergebnis sind offizielle Curricula, die aber nur den Bildungsrahmen abstecken. Darüber hinaus ist jede Schule aufgefordert ihren eigenen Lehrplan zu entwickeln. Daran sind Lehrer und Schulvorstand, d.h. auch Eltern beteiligt. Wichtig sei letztlich, so Matti Meri, wie Lehrer und Schüler ihren Unterricht gemeinsam gestalten wollten. Jeder einzelne Schüler müsse den Lernprozess durchschauen können und zu jeder Zeit wissen, warum er was lernen soll und ob er sein Ziel schließlich erreicht hat.

Den Fähigkeiten einzelner Schüler entsprechend muss ein Lehrer in Finnland unterschiedliche Lernziele formulieren und mit dem Schüler die Leistungskontrolle und eventuelle Fördermaßnahmen besprechen. Dafür stehen ihm verschiedene Methoden zur Verfügung. Lernmittel seien oft nicht gut genug, so Matti Meri. Deshalb sollten Lehrer die Möglichkeit nutzen, Unterrichtsmaterialien selbst herzustellen, vielleicht sogar zusammen mit den Schülern im Unterricht. Dieser kooperative Umgang mache den Unterrichtsprozess für Schüler transparent und rege ihre Selbststeuerung an. Nicht zuletzt gebe das finnische Schulsystem auch den Lehrern das Gefühl etwas leisten und erreichen zu können.

Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen stelle sich jeder Schüler am Ende der Stunde selbst die Frage, ob er den Stoff verstanden habe. In dem Zusammenhang erinnerte Matti Meri  an den Humboldtschen Bildungsgedanken, der unter anderem besagte, dass „jeder, auch der Ärmste, eine vollständige Menschenbildung erhalten soll“ und jeder nur die Bildung brauche, die seiner Weiterentwicklung diene. 60 Prozent der Absolventen der neunjährigen Gemeinschaftsschule besuchten anschließend die gymnasiale Oberstufe, berichtete Matti Meri. Es gebe sogar die Überlegung, ob die Gemeinschaftsschule nicht auch 12jährig sein könne.


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