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Projekte

Salzburger_Trilog_2006

Salzburger Trilog 2007

Moral erweist sich im Handeln, nicht im Glauben
Interreligiöse Verständigung war das Thema des Salzburger Trilogs 2007


Auf Einladung der Bertelsmann Stiftung, der Salzburger Festspiele und des österreichischen Ministeriums für europäische und internationale Angelegenheiten trafen sich in Salzburg Persönlichkeiten verschiedener Weltreligionen mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Kultur. Diskussionsthema waren die Perspektiven interreligiöser Verständigung zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Den Auftakt bildete eine öffentliche Podiumsveranstaltung am 12. August, die das Projekt "West-Östlicher Diwan" von Daniel Barenboim vorstellte, das seit acht Jahren junge Musiker aus dem Nahen Osten und Israel zum gemeinsamen Musizieren zusammenführt und in diesem Jahr erstmals bei den Salzburger Festspielen aufgetreten ist. Das Panel würdigte diese Musikprojekt als wegweisendes Beispiel für die Potenziale, die durch die Vision einer Versöhnung geweckt werden und thematisierte, inwieweit daraus Impulse für die politische und interreligiöse Versöhnungsarbeit im Nahen Osten abgeleitet werden können.

Die öffentliche Podiumsdiskussion in der Großen Universitätsaula spielte mit dem Titel „Vernunft ist die Waage Gottes auf Erden“ nach einem Zitat des muslimischen Theologen al-Ghazzali auf das Festspielmotto „Die Nachtseite der Vernunft“ an. Eingeleitet durch den Intendanten Jürgen Flimm, der aus Lessings Ringparabel zitierte, erläuterte der Initiator des arabisch-israelischen Orchesters, Daniel Barenboim, die zentrale Idee des Projektes: Gemeinsames Musizieren erfordere nicht nur eine Balance von Vernunft und Gefühl, sondern auch das gleichzeitige Zuhören und Spielen. Unterschiedliche musikalische Stimmen verschmelzen zu einem Ganzen. Die Musik lehre, auf konstruktive Weise verschieden zu sein, aber sich trotzdem auf gemeinsame Ziele einigen zu können.

Ziad Abu-Amr, der ehemalige palästinensische Kultur- und Außenminister, Joschka Fischer und österreichische Außenministerin Ursula Plassnik sahen darin ein Beispiel für Dialog und Kooperation, das in andere gesellschaftliche Bereiche übertragen werden müsse, um den Konflikt im Nahen Osten zu entschärfen. Der Dialog im Nahen Osten sei jedoch zunehmend schwierig. Ein Grund dafür sei, dass der ursprünglich politische Konflikt um Territorium und Sicherheit zunehmend religiös aufgeladen werde, wie Abu-Amr und Joschka Fischer ausführten. Dieser Instrumentalisierung gelte es mit allen Mitteln der Vernunft entschlossen entgegen zu treten. Hier trägt die EU für Ursula Plassnik eine besondere Verantwortung: „Europa muss den Dialog zwischen Arabern und Israelis unterstützen, ersetzen kann sie ihn nicht.“ Die an der Diskussionsrunde beteiligten Geistlichen unterstrichen die besondere Verantwortung der monotheistischen Religionen für den Nahen Osten. Nach Ansicht der in Jerusalem lebenden Rabbinerin Eveline Goodman-Thau müssen die Religionen eine Entscheidung für den Frieden und gegen Krieg treffen, Moral erweise sich im Handeln, nicht im Glauben. Der Großmufti von Bosnien und Herzegowina, Mustafa Ceric, betonte, dass der Nahe Osten im Allgemeinen und Jerusalem im Besonderen für alle Religionen von Bedeutung sei. Alle Gläubigen müssten deshalb anerkennen, dass es verschiedene Religionen und verschiedene Vernunftbegriffe gebe und nur eine Einheit in religiöser Vielfalt Frieden bringen könne. Kardinal Walter Kasper forderte schließlich, dass die Religionen ihren absoluten Wahrheitsanspruch unbedingt verteidigen, andererseits aber ihre versöhnende Kraft in den Dialog einbringen und die Wertschätzung für andere Religionen fördern müssen.

Am zweiten Tag folgte ein eintägiges Symposium in der Salzburger Residenz über die Erfolgsfaktoren und Grenzen interreligiöser Verständigung. Jan Assmann machte die Entwicklung des absoluten Wahrheitsanspruches der Religionen für die Schwierigkeiten interreligiöser Verständigung verantwortlich: Die Ausbildung der monotheistischen Weltreligionen habe langfristig das antike pluralistische Nebeneinander der Gottheiten in der Europäischen Geschichte unmöglich gemacht. Umso mehr komme es darauf an, dass alle abrahamitischen Religionen eine Theologie der Differenz entwickeln und vermitteln (s. Diskussionspapier). Der Religionswissenschaftler Michael von Brück wies auf die Wesensverschiedenheit von Religion hin: Religionen tragen in unterschiedlichen kulturellen Kontexten völlig unterschiedliche Bedeutung: sie sind keine verschiedenen Antworten auf dieselbe Frage, sondern einzigartig und grundverschieden in Inhalt, Praxis und Liturgie (s. Diskussionspapier). Der Islamwissenschaftler Mohammed Arkoun machte den innerislamischen Diskurs für die Schwierigkeiten des interreligiösen Dialogs verantwortlich. Er sei zu sehr von postkolonialem, den Westen ablehnenden Denken und mangelnder historischer Auseinandersetzung mit dem Koran geprägt. Des Weiteren wurde auf die Bedeutung kommerzieller und radikaler religiöser Gruppen eingegangen, die den politischen Raum zunehmend besetzen und institutionellen Dialog zwischen den Religionen erschweren. Diese radikalen Gruppen profitierten von den Schattenseiten der Globalisierung und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, namentlich fehlenden demokratischen Strukturen, Armut und Korruption, wie insbesondere Pascal Lamy von der WTO, Mustafa Barghouthi und Joschka Fischer herausstrichen.

Vor dem Hintergrund, dass die globalisierte Welt nur noch eine gemeinsame Öffentlichkeit kenne (Mounir Neamatalla) und überall Zugang zu nicht-konventionellen Waffensystem habe, werden der Umgang mit religiösem Pluralismus, also intra- und interreligiöser Dialog zu einer Herausforderung der gesamten Menschheit, wie José Casanova erläuterte. Erdmond Israel rief deshalb dazu auf, neben dem theologischen Diskurs vor allem praktische Projekte zu realisieren, in denen religiöse Kompetenz vermittelt und intra- bzw. interreligiöse Verständigung gefördert werden. Das West-Östlichen Diwan Projekt zeige, dass es in der Praxis weniger auf Dialog, denn auf gemeinsame Prozesse und Erfahrungen ankomme (Nils Ole Oermann). Einigkeit bestand auf allen Seiten vor allem bezüglich der Verantwortung religiöser Autoritäten, der Anwendung von Gewalt im Namen der Religion entschieden zu widersprechen. Als ein Musterbeispiel interreligiöser Verständigung wurde das Interfaith Mediation Center aus Kaduna in Nigeria gewürdigt, das von zwei ehemals verfeindeten Geistlichen, Imam Muhammad Ashafa und Pfarrer James Wuye, gegründet wurde um zwischen Christen und Moslems Brücken der Verständigung zu bauen.

Wolfgang Schüssel beschloss den sechsten Salzburger Trilog mit der Einschätzung, dass die Politik in Europa ein Vakuum an Spiritualität zurückgelassen habe. Deshalb sei es nicht verwunderlich, dass die Gesellschaft eine Rückkehr des Religiösen erlebe. Die Religionen sind eine wichtige Ressource, um mit den großen Herausforderungen unserer Zeit umzugehen. Ihre Aufgabe besteht darin, dafür Lösungen zu entwickeln und Vernunft und Glauben in einer rechten Balance zu halten. Für Liz Mohn hat das Gespräch die Verantwortung aller Akteure gezeigt, zu vermitteln, dass man weder politisch, noch religiös oder kulturell in Übereinstimmung leben muss, um voneinander zu lernen und einander mit Respekt zu begegnen. Vielmehr können die Unterschiede bereichernd sein und Konflikte produktiv genutzt werden.

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Porträt von Peter Walkenhorst Peter Walkenhorst
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Video: Salzburger Trilog 2007

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