Finanzkrise: Litauen setzt auf Hightech
Ministerpräsident Andrius Kubilius bei der Bertelsmann Foundation North America
Litauens Ministerpräsident Andrius Kubilius beendete seine fünftägige USA-Reise am 5. Februar 2010 mit einem Briefing bei der Bertelsmann Foundation in Washington DC. Kubilius sprach vor einem ausgewählten Kreis von Vertretern der Weltbank, dem Internationalen Währungsfonds, Unternehmensrepräsentanten sowie der Presse. Der Ministerpräsident, der unter anderem von der litauischen Finanzministerin Ingrida Simonyte begleitet wurde, unterstrich die Anstrengungen seiner Regierung, Litauen und das Baltikum insgesamt zu einer Hightech-Region auszubauen.
Seine, wie Kubilius selbst sagte, "ambitionierten Pläne", die innerhalb eines Jahrzehntes realisiert werden sollen, seien notwendig, um die Finanzkrise zu bewältigen sowie einen Beitrag zur langfristigen Wettbewerbsfähigkeit seines Landes zu leisten. Litauen sei ein idealer Standort für ein solches Zentrum, denn es verfüge über moderne Infrastruktur, insbesondere im Hightech Bereich, sowie gut qualifizierte Arbeitskräfte.
Der Ministerpräsident ging insbesondere auf die gegenwärtige ökonomische Lage seines Landes ein. Die Finanzkrise habe Litauen hart getroffen - unter anderem sei das Wirtschaftswachstum in 2009 um 15 Prozent zurückgegangen. Durch einen breit angelegten gesellschaftlichen Dialog sei es allerdings gelungen, soziale Spannungen weitgehend zu vermeiden. Bis auf einige kleine Demonstrationen sei der soziale Zusammenhalt gesichert worden. Finanzministerin Simonyte fügte hinzu, dass die Bürger nun belohnt würden, für die zuvor gemachten Einschnitte und die Wirtschaft sich langsam erhole. In diesem Zusammenhang sei auch das gerade veröffentlichte Rating von Standard & Poor's zu sehen, das für 2010 von "negativ" auf "stabil" gesetzt worden sei. Litauen ist damit das erste baltische Land, das für dieses Jahr von einer der großen Rating Agenturen eine positive Entwicklung bescheinigt bekommen hat.
Kubilius unterstrich darüber hinaus die positive Bedeutung der EU-Mitgliedschaft für Litauen im Zuge der Finanzkrise. Man habe sich nicht an den IMF oder andere Institutionen wenden müssen, sondern auf die europäische Solidarität vertrauen können. Die EU-Mitgliedschaft habe seinem Land nicht nur außenpolitische, sondern auch wirtschaftliche Stabilität beschert.
Auf der politischen Seite ging Kubilius auf das Thema Energie als eines der sensibelsten Themen ein, das besonders mit Russland verbunden sei. Der Konflikt 2008 zwischen Moskau und Tiflis habe in Litauen und bei seinen Nachbarn die Angst geschürt, dass sich der Zorn des Kreml auch irgendwann auf das Baltikum richten könne. Eine einheitliche EU-Politik sei letztendlich der beste Sicherheitsgarant gegen Russland, so Kubilius. Die EU sei gerade für die kleinen Länder im Osten Europas attraktiv und könne daher zu ihrer Westbindung einen wesentlichen Beitrag leisten.
Der Ministerpräsident hatte neben dem Termin bei der Bertelsmann Foundation in Washington DC auch Treffen mit dem US-Finanzminister Timothy Geithner und dem Chef der US-Notenbank, Ben Bernanke.
















