Was ist INCRA?
Gemeinsam mit Experten aus der Stiftung und externen Beratern entwickelte Annette Heuser, Leiterin der Bertelsmann Foundation (BFNA), die Blaupause für eine unabhängige, internationale nicht gewinnorientierte Ratingagentur – INCRA. Im Rahmen der 4. Finanzkonferenz der BFNA in Washington, wurde das Konzept der Presse und Fachleuten vorgestellt. Die Fragen der anschließenden Diskussion wurden im Interview aufgegriffen.
Annette Heuser, wie wurde der INCRA Vorschlag aufgebaut? Woher bekamen Sie das Wissen dafür?
Die Idee, einen alternativen Vorschlag fϋr eine Ratingagentur zu entwickeln, ist im Herbst des letzten Jahres entstanden. Damals haben sich insbesondere die Europäer ϋber die Herabstufung einiger ihrer Staaten durch die drei groβen amerikanischen Agenturen aufgeregt. Und den Aufbau einer europäischen Ratingagentur gefordert. Darum haben wir über eine internationale, nicht nur europäische, aber global tätige alternative Lösung nachgedacht.
Wir haben darüber diskutiert, welche Kriterien neben den klassischen makroökonomischen nötig sind, um die aktuelle und zukϋnftige Finanzkraft eines Landes bewerten zu können. Viele der „vorausschauenden Indikatoren“ sind bereits seit Jahren im Rahmen des Bertelsmann Transformationsindex (BTI) als auch der Sustainable Governance Indicators (SGI) getestet worden. Bei der Entwicklung unseres neuen Satzes an Indikatoren haben wir darauf zurϋck gegriffen.
Wir sprachen dann ehemalige Manager von amerikanischen Ratingagenturen an, ob sie nicht an unserem Vorschlag mitarbeiten wollen. Uns war von Anfang an klar, dass wir das Wissen von Insidern benötigen, um einen operativen, fϋr die Märkte interessanten Vorschlag zu entwickeln.
Erläutern Sie bitte noch einmal in wenigen Sätzen, was INCRA ist und was es bewirken soll.
Wir haben einen Bauplan fϋr die erste unabhängige, internationale nicht auf Profit ausgerichtete Ratingagentur vorgelegt. Neu ist, dass unsere Agentur nicht auf gewinnorientierter Basis arbeiten wird. Aber auch, dass sie sich ausschließlich auf die Bewertung von Ländern konzentrieren wird. Die Frage, wie der Bereich der Länderratings reformiert werden kann, ist eine, die alle Staaten der Welt bewegt. Unser Modell versucht, die Interessen der Investoren mit den Interessen der Öffentlichkeit in Einklang zu bringen. Konkret bedeutet das qualitativ hochwertige Einschätzungen der Bonität müssen transparenter sein.
Wird die Bertelsmann Stiftung diesen Vorschlag selbst finanzieren?
Als Denkfabrik sehen wir unsere Rolle darin, ein seriös erarbeitetes und operatives Konzept vorzulegen. Das ist uns mit unserem Vorschlag fϋr INCRA gelungen. Mit diesem haben wir nicht nur eine konzeptionelle Einordnung des Themas vorgenommen, sondern gleichzeitig einen umfassenden Geschäftsplan zur Umsetzung einer solchen Institution mitgeliefert. Jetzt ist es an den Staaten, Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen, den Vorschlag zu diskutieren und gegebenenfalls eine Koalition derer zu bilden, die ihn in die Praxis umzusetzen.
Warum glauben Sie, dass INCRA es schaffen kann?
Der Vorschlag von Roland Berger sieht im Prinzip vor, das Modell der amerikanischen Ratingagenturen in Europa umzusetzen. Der Berger-Vorschlag beinhaltet kaum Neuerungen, um die Qualität der Rankings zu steigern, oder sie transparenter zu gestalten. Zudem greift eine europäische Lösung bei einem Thema, das international angegangen werden muss, zu kurz.
Woran muss INCRA sich messen lassen?
Für jede Ratingagentur ist wichtig, dass sie am Markt, also von den Investoren, akzeptiert wird. Daran muss sich auch INCRA messen lassen. Eine neue Institution wird nur dann von den Investoren anerkannt werden, wenn sie einen qualitativen Mehrwert bei den Länderratings bietet.
Was sind die nächsten Schritte für INCRA?
Wir diskutieren nun mit möglichst vielen Akteuren, von Regierungen, ϋber Unternehmen bis hin zu Nichtregierungsorganisationen unser Konzept. Wir möchten erklären warum eine internationale Ratingagentur Länderratings auf non-profit Basis sinnvoll ist. Und warum wir neue qualitative Indikatoren zur Beurteilung von Ländern benötigen. Schon jetzt haben wir viele nationale und internationale Anfragen fϋr Diskussionsrunden und Briefings erhalten.













