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Gütersloh/Rabat, 16.05.2011

Sind die Lehren aus der Wende Europas auf die arabische Welt übertragbar?

Transformations-Experten warnen vor verengter Sichtweise

Aktuelles Cover BTI 2010

Der arabische Frühling erinnert an die Wende in Europa im Jahr 1989. Doch: Sind die Erfahrungen und Lehren auch für Nordafrika und den gesamten arabischen Raum anzuwenden? Lassen sich die Ereignisse von vor 20 Jahren auf heute übertragen? Fragen, die auch die Kronberger Gespräche, Nahost-Konferenz der Bertelsmann Stiftung, betreffen. Transformations-Experten warnen vor einer verkürzten Sichtweise und empfehlen vielmehr den Blick über den europäischen Tellerrand hinaus.

Zwar sehen auch die Transformationsexperten der Bertelsmann Stiftung große Chancen darin, die Erfahrungen der mittel- und osteuropäischen Staaten nach der Wende von 1989 in den Demokratisierungsprozess der arabischen Welt einzubringen. Allerdings warnen sie auch vor dem Export von „Blaupausen“, da sich die Situation in der arabischen Welt in vielen Aspekten deutlich unterscheide. So gehe es im arabischen Raum nicht darum, eine sozialistische Planwirtschaft zu überwinden, sondern um die Beseitigung von Vetternwirtschaft und Korruption sowie den Aufbau einer tragfähigen Sozialordnung.

Anders aber als die aktuellen Berichte, die immer wieder die Wirtschaftsentwicklung in Ländern wie Ägypten oder Tunesien zuletzt in den höchsten Tönen lobten, mahnt der der Bertelsmann Transformationsindex (BTI) eine Berücksichtigung der Kosten von Liberalisierung an (Jugendarbeitslosigkeit, Stadt-Land-Gefälle, ausgeprägte soziale Ungleichheit), die in diesen Ländern erst noch bewältigt werden müssen. Das im BTI postulierte Attribut einer „sozialpolitisch flankierten“ Marktwirtschaft brauche im arabischen Raum mehr Geltung, und deshalb müssten neben der Beseitigung von Vetternwirtschaft und Korruption der gezielte Auf- und Ausbau einer tragfähigen und inklusiven Sozialordnung im Vordergrund stehen.

Darüber hinaus seien die Startbedingungen hinsichtlich des Bildungsgrades und der
Verwaltungsstruktur für die Länder des ehemaligen Ostblocks ungleich günstiger gewesen als heute in den arabischen Staaten. In einer zusammenfassenden Bewertung für die aktuelle Nahostkonferenz in Rabat stellen die Stiftungsexperten  fest: „Ein vom Transformation Index wiederholt identifiziertes Kernproblem vieler arabischer Länder ist das erschreckend niedrige Bildungsniveau und ein damit einhergehender Mangel an Fachkräften. Hinzu kommt ein häufig ineffizienter, korrupter und unzureichend entwickelter Verwaltungsapparat, der die Aussichten auf einen stabilen Transformationsprozess trübt. Die Schaffung rechtsstaatlicher Strukturen hatte im osteuropäischen Raum ungleich bessere Voraussetzungen als in der arabischen Welt.“ 

Um aus gelungenen Transformationsprozessen zu lernen empfehle sich darüber hinaus ein Blick über Europa hinaus. Für islamisch geprägte Länder sei die Erfolgsgeschichte der Demokratie in Indonesien oder in der Türkei von besonderer Bedeutung. Der weitsichtige Umgang mit wertvollen Ressourcen zur gesellschaftlichen Weiterentwicklung könne in Chile und Botswana eindrücklich studiert werden. Und wie Ressourcen besonders intensiv für die Weiterentwicklung der Bildung genutzt werden könnten, zeigten die rohstoffreichen Golfstaaten Katar, Bahrain und VAE. (Siehe dazu auch den ausführlichen Beitrag  „Demokratisierung in der arabischen Welt: Von Transformationserfahrungen in anderen Regionen lernen“


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Porträt von Hauke Hartmann. Hauke Hartmann
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Porträt von Sabine Donner Sabine Donner
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Perssemeldung zum Thema

Die Rolle Europas in der Nahost-Politik

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