Global Governance und nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung

Erstes ''International Policy Forum'' in Beijing

Während sich die Staats- und Regierungschefs der G-20 Staaten auf das Gipfeltreffen in Seoul vorbereiteten, trafen sich am 10. und 11. November 2010 führende Experten aus China und zahlreichen anderen Ländern in Beijing zum ersten „International Policy Forum“. Die Konferenz, die von der Bertelsmann Stiftung gemeinsam mit dem China Center for International Economic Exchanges (CCIEE) organisiert wurde,  stand unter dem Leitmotiv „Global Governance and Sustainable Economic Development“. Mehr als 120 Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien diskutierten über internationalen Handel, globale Wirtschaftsentwicklung, Finanzmarktarchitektur, Innovationen und Nachhaltigkeit.

In seiner Eröffnungsrede rief Wei Jianguo, Generalsekretär des CCIEE, dazu auf, nationale Interessen zu überwinden und Konfrontation durch Kooperation zu ersetzen. Gunter Thielen, Vorstandvorsitzender der Bertelsmann Stiftung, betonte in seinem Grußwort die langfristigen Herausforderungen der globalen Gemeinschaft und bedauerte, dass bislang keine Maßnahmen unternommen worden seien, die diesen Herausforderungen gerecht werden. Er hob außerdem die wichtige Rolle Chinas als Motor der Weltwirtschaft hervor.

Der chinesische Vizefinanzminister, Li Yong, der Vorstandsvorsitzende der Export-Import Bank of China, Li Ruogu, und die Präsidentin der Bank of Beijing, Yan Xiaoyan, hielten ebenfalls Begrüßungsansprachen im Rahmen der Eröffnungszeremonie.

Die lebhaften Diskussionen unter den Teilnehmern machten deutlich, dass im Hinblick auf die Frage, wie mit den weltwirtschaftlichen Ungleichgewichten umzugehen sei, sehr unterschiedliche Auffassungen bestehen. Einigkeit bestand jedoch darin, dass ein Rückfall in den Protektionismus auf jeden Fall vermieden werden müsse. Zahlreiche Redner kritisierten in scharfer Form die Ankündigung der U.S.-Notenbank, in den kommenden Monaten zusätzliche Staatsbonds im Wert von rund 600 Milliarden US-Dollar aufkaufen zu wollen ("Quantitative Easing 2"). Ein weitreichender Konsens bestand außerdem darüber, dass langfristig ein Währungskorb den US-Dollar als Weltleitwährung ersetzen sollte.

Die verschiedenen Standpunkte und Argumente finden sich auch in der Studie "Rebalancing the Global Economy" wieder, die auf der Konferenz erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Drei der vier Autoren der Studie - Stefan Collignon, Masahiro Kawai und  Yongjun Zhang stellten in Beijing ihre Positionen vor und diskutierten diese mit dem Plenum. Es gab große Zustimmung für die Hauptthese, dass eine schnelle Yuan-Aufwertung die globalen Ungleichgewichte nicht auflösen könne, sondern vielmehr große Risiken berge. Einig war man sich aber auch, dass es langfristig zu einer Aufwertung kommen müsse und das Ziel ein frei handelbarer Yuan sei, dessen Wechselkurs durch die Märkte bestimmt wird.

Der zweite Tag der Konferenz beinhaltete eine nicht öffentliche Fachdiskussion zu der Frage, wie mit den globalen Leistungsbilanzungleichwichten umzugehen sei. Hierbei wurden zahlreiche am Vortag angeschnittene Fragen aufgegriffen und vertieft.


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