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Gütersloh, 09.12.2009

Zivilgesellschaft: Wissen wir eigentlich über was wir reden?

Prof. Dr. Helmut Anheier, Universität Heidelberg, bei seiner Ansprache auf der Veranstaltung in Berlin.
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Prof. Dr. Helmut Anheier, Universität Heidelberg, bei seiner Ansprache auf der Veranstaltung in Berlin.

"Derzeit wissen wir mehr über den Tierbestand in der deutschen Landwirtschaft als über zivilgesellschaftliche Fragen. Und das obwohl der Beitrag der Zivilgesellschaft zum Bruttosozialprodukt in Deutschland zirka 8- bis 9-mal so hoch ist, als der der Landwirtschaft", kritisierten Professor Helmut Anheier und die rund 60 Vertreter aus gemeinnützigem Sektor, Wissenschaft und Politik auf der Veranstaltung "Auf dem Weg zu einem 'Informationssystem Zivilgesellschaft'" in Berlin.

Derzeit gibt es keine aktuellen Daten zur Größe, Struktur, Finanzierung und Rolle des gemeinnützigen Sektors in Deutschland. Es ist nicht bekannt, wie viele gemeinnützige Organisationen es in den einzelnen Bereichen gibt, wie viele Ehrenamtliche aktiv sind oder wie viele Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigte im gemeinnützigen Sektor beschäftigt sind. Auch die Bedeutung des Sektors für die Wirtschaftskraft Deutschlands ist somit nicht erforscht.

Das Projekt "Zivilgesellschaft in Zahlen" des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft, der Bertelsmann Stiftung und der Fritz Thyssen Stiftung trägt dazu bei, die Struktur und die Leistungen der Zivilgesellschaft zu erfassen und darzustellen. Ziel des Projektes ist es, statistische Daten zu erheben, um die Ausprägungen des gemeinnützigen Sektors in Deutschland besser abbilden zu können.

Damit wird die Voraussetzung geschaffen, Grundlagendaten zur Entwicklung und zu den Potenzialen der Zivilgesellschaft für Akteure im gemeinnützigen Sektor, in Politik und Wissenschaft sowie für die breite Öffentlichkeit bereitzustellen. "Eine regelmäßige Datenerhebung soll Leistungen und Bedeutung des Sektors belegen und soll aufzeigen, in welche Richtungen Handlungsbedarf besteht, um die Entwicklung des gemeinnützigen Sektors zu fördern", so Dr. Brigitte Mohn.

Zum Beispiel brauchen Stiftungen aktuelle Daten, um ihre Aktivitäten zu optimieren, besser zu koordinieren, aber auch um die Notwendigkeit ihrer Arbeit darzustellen und zu begründen. Auch die Politik benötigt die entsprechenden Daten um auf dieser Basis Entscheidungen zu treffen. Christoph Linzbach vom BMFSFJ bekräftige dies in seiner Rede: "Engagementförderung heißt für den Staat, die Rahmenbedingungen für Engagement zu schaffen." Dazu gehört, das notwendige Wissen über die Strukturen und Trends in der Zivilgesellschaft zu haben.

"Zivilgesellschaft in Zahlen" soll die Grundlagen für ein Informationssystem legen, das regelmäßig und dauerhaft die relevanten Informationen bereitstellt und zudem den internationalen Kriterien genügt. Um ein solches Informationssystem aufzubauen, bedarf es eines engen Schulterschlusses zwischen Politik und Vertretern des gemeinnützigen Sektors, so die einhellige Meinung auf der Veranstaltung. Um die langfristige Sicherung und Bereitstellung der Daten zu gewährleisten, muss deren regelmäßige Erhebung in die amtliche Statistik integriert werden.

Im Rahmen der Podiumsdiskussion wurde vor allem auch darauf hingewiesen, neben der ökonomischen Relevanz des gemeinnützigen Sektors, die es zu erheben gilt, in der Darstellung die gesellschaftlichen Aspekte von Engagement und andere nicht ökonomisierbare Faktoren nicht zu vernachlässigen.

Zu vielen Fragestellungen sind Daten vorhanden, diese gilt es jedoch aus dem "Meer der Fakten" herauszufiltern und aufzubereiten, konstatierte Professor Karl-Heinz Paqué. Einen substantiellen Beitrag leisten hierzu die ersten 12 Steckbriefe der Reihe "Steckbriefe zur 'Landkarte zur Datenlage im Dritten Sektor'", die in Berlin vorgestellt wurden. In diesen Steckbriefen werden Statistiken, Surveys und weitere wissenschaftliche Erhebungen, die Relevanz für die Zivilgesellschaft haben, überblicksartig dargestellt. Diese Zusammenstellung soll zum einen die bestehenden Daten und Datenquellen und ihre Nutzbarkeit für ein "Informationssystem Zivilgesellschaft" darstellen, zum anderen sollen aus der Zusammenstellung Rückschlüsse auf "weiße Flecken" auf der Datenlandkarte gezogen werden, die in zukünftigen Primärerhebungen zu füllen sind.


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