"Dies ist keine bessere Welt. Uns fehlen Zufluchtsstätten"
Beitrag aus "El País", Ausgabe vom 27. Januar 2010. Autor: Juan Cruz
Liz Mohn ist eine Frau mit enormer Energie, die sie mit einer Disziplin nährt, durch die sich auch ihr Mann Reinhard Mohn, der Gründer von Bertelsmann - eines der einflussreichsten Verlagskonglomerate der Welt - auszeichnete. Er verstarb im Oktober 2009 und sie ist jetzt die Vorsitzende der Fundación Bertelsmann. So wie der legendäre Verleger fördert Liz Mohn durch diese Stiftung die Bildung und die Lektüre - im Bewusstsein, dass das Lesen die Menschen aus ihrer Unwissenheit und somit aus dem Elend rettet.
Sie war gestern in Madrid, weil dort das vom Sustainability Excellence Club gemeinsam mit der Fundación Bertelsmann veröffentlichte und von Professor Miguel Ángel Rodríguez Badal verfasste Buch "Unternehmenskultur im 21. Jahrhundert" ("Cultura de la empresa del siglo XXI: una propuesta") vorgestellt wurde. Im Vorwort schreibt Liz Mohn: "Die Krise öffnet uns ein Fenster für neue Lösungen." Der Satz trägt den Stempel ihres Optimismus. "Ja, sicher. Die Krise dient dazu, dass die Unternehmen darüber nachdenken, was sie falsch gemacht haben. Und diese Reflexion eröffnet neue Wege." Über die Mängel der sozialen Marktwirtschaft hat sie sich ihre Gedanken gemacht und gibt an, dass "man zur Feststellung gelangen muss, dass wir auf diesem Weg fortfahren müssen. Aber mit Korrekturen". Werte seien verloren gegangen "und Vertrauen ist abhanden gekommen. Alles hat sich zu sehr um Macht, Geld und die Interessen der Unternehmen gedreht".
Sie ist der Meinung, die Welt müsse jetzt mehr "den Menschen berücksichtigen, dem die Möglichkeit gegeben werden muss, bei Verbesserungen der Lage für die Unternehmen auch gleichzeitig die eigene Lage zu verbessern". Einer der Werte, auf den sich die Gesellschaft zurückbesinnen muss, um Vorteile aus den "Fenstern der Krise" zu schlagen, sei "die Disziplin". Eine Disziplin, die Führungskräfte und Mitarbeiter betrifft. "In Unternehmen können keine Aufgaben delegiert werden, wenn diese missbraucht werden", aber ohne die Delegation von Aufgaben funktionieren die Unternehmen nicht.
Es ist Morgen und es erwartet sie ein terminreicher Tag. Doch hier sitzt sie, vor einem Glas Orangensaft, Wasser und Gebäck. Sie vermisst natürlich das mallorquinische Frühstück, das sie für gewöhnlich zuhause zu sich nimmt, in Alcúdia, seit über 40 Jahren ihre Ruhe- und Arbeitsstätte. Dort haben sie und ihr Mann ihre Leidenschaft für die Schaffung öffentlicher Bibliotheken fortgeführt. Und dorthin wird sie wieder zurückreisen, ein Teil ihrer Wurzeln ist bereits balearisch.
Ich frage sie, woher sie ihre Energie nimmt. Und sie spricht wieder von der Disziplin, als handle es sich um ein Motto: Disziplin zum Arbeiten, um morgens laufen zu gehen, "um zuzuhören, was die Mitarbeiter mir zu sagen haben...". Als sie über den Zustand der Welt befragt wird, legen sich für einen Moment Schatten über das sonst so strahlende Gesicht von Liz Mohn. "Nein, die Welt ist heute nicht besser als die, die wir hatten. Vielen Menschen fehlt die Zufluchtsstätte, die man früher in der Familie, der Politik, der Religion etc. fand. Seit dem 11. September ist alles schlimmer. Wir sind zunehmend machtlos gegen Terrorismus und andere Katastrophen, und den jungen Menschen geht es auch nicht gut. Sie haben keine Arbeit und fühlen die Unsicherheit, die uns alle bedroht..."
Als einen Anreiz für die Zukunft betrachtet sie angesichts dieses Szenarios den zunehmend übergreifenden Begriff der Gleichheit von Männern und Frauen. Hier leuchtet das Gesicht von Liz Mohn wieder fast so hell auf wie das von draußen eindringende, strahlende Licht. Da wir nicht zu Mittag essen, frage ich sie zum Abschluss, was sie auf Mallorca gegessen hätte. "Ein Suppe mit Gemüse und Fisch." Es wurde ihr keine Ensaimada serviert, vielleicht hätte sie in Alcúdia dieses mallorquinische Gebäck zum Frühstück genommen.
















