Projekte
Gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen
Marktplätze
Die Marktplatz-Methode ist in Deutschland angekommen
Immer mehr lokale und regionale Initiativen setzen auf den Grundgedanken Unternehmen und gemeinnützige Organisationen zusammen zu bringen, um neue gesellschaftliche Kooperationen abseits des Geldtransfers in die Wege zu leiten. Die Marktplatz-Methode hat sich dabei als innovative Methode bewährt und sich zu einem nicht zu unterschätzenden Katalysator für die Produktion von Sozialkapital entwickelt. So jedenfalls kann man die Ergebnisse einer bundesweiten Evaluation bewerten, die von Professorin Gisela Jakob von der Hochschule Darmstadt für die Bertelsmann Stiftung durchgeführt worden ist.
Zentrale Ergebnisse der Evaluation
Im Zeitraum zwischen September 2006 und März 2009 sind ca. 55 Marktplätze in Deutschland durchgeführt worden. 48 Marktplätze, die an 32 Orten von Mittlerorganisationen organisiert worden sind (28 in West- und 20 in Ostdeutschland), sind in der Evaluation erfasst. Bei diesen 48 Marktplätzen sind knapp 3.500 Vereinbarungen abgeschlossen worden. Die Zahl der Vereinbarungen variiert zwischen 30 und 160 bei einzelnen Marktplätzen. Die durchschnittliche Anzahl von initiierten Kooperationen pro Marktplatz liegt bei 70. Bei den Vereinbarungen dominieren Unternehmensleistungen (Produkte, Druckarbeiten etc.), während der Einsatz von Unternehmensmitarbeiter-/innen schwächer ausgeprägt ist. Von den Vereinbarungen ist ein großer Teil (durchschnittlich 70 %) eingelöst worden. Vereinzelt gibt es Hinweise darauf, dass länger dauernde Kontakte und weiterführende Projekte entstanden sind.
Die weiteren Ergebnisse der Befragung können in folgende Thesen zusammengefasst werden:
- Marktplätze sind flexible Instrumente zur Anbahnung von gesellschaftlichen Kooperationen zwischen Unternehmen und Gemeinnützigen
Die Stärke der Marktplatz-Methode besteht darin, dass sie variabel und entsprechend der lokalen Gegebenheiten eingesetzt und mit den vorhandenen personellen und finanziellen Ressourcen umgesetzt werden kann. Ein beschränktes finanzielles Budget kann teilweise durch die Mobilisierung von Kooperationspartnern, Spendern und Sponsoringmitteln bei der Vorbereitung und Durchführung des Marktplatzes kompensiert werden. Allerdings erfordert die Durchführung des Marktplatzes personelle und finanzielle Ressourcen. - Vorbereitungsgruppe ist das wegweisende Kooperationsmodell zur Organisierung von Marktplätzen
Eine zentrale Rolle spielt eine klug und heterogen zusammengesetzte Vorbereitungsgruppe, um den Marktplatz auf den Weg zu bringen. 28 Mittlerorganisationen (= 97 %) haben den Marktplatz in einer Gruppe vorbereitet, in der Vertreter-/innen aus unterschiedlichen Organisationen und gesellschaftlichen Sektoren mitwirkten. - Gewinnung von Unternehmen ist eine besondere Herausforderung
Die größten Schwierigkeiten bestehen aus Sicht der Mittlerorganisationen bei der Gewinnung von Unternehmen und ihrer verbindlichen Mitwirkung beim Marktplatz. Dies erfordert erhebliche Zeit- und Personalressourcen und lässt sich nur bewältigen, wenn Unternehmens- und/oder Vertreter von Wirtschaftsverbänden bei der Vorbereitung eingebunden sind.
Unausgeschöpfte Potenziale
Professorin Jakob weist in Ihrer Untersuchung auch auf noch nicht ausgeschöpfte Potenziale der Methode hin:
- Bislang gibt es noch kein ausgewogenes Geben und Nehmen bei den Marktplätzen, es dominiert die Erwartung, dass in erster Linie die Unternehmen geben.
- Die Vereinbarungen fokussieren stark geldwerte Leistungen und Produkte, sie vernachlässigen den Austausch von engagierten Mitarbeiter-/innen.Die Evaluationsergebnisse wurden Anfang Juni auf einer zweitägigen Konferenz der Bertelsmann Stiftung mit 60 Marktplatz-Organisatoren vorgestellt; Die Gütersloher Debatte wurde mit der Intention geführt, das überregionale Netzwerk von Mittlern, die mit der Marktplatz-Methode arbeiten, zu stärken und auszubauen. Entsprechend der Ergebnisse diskutierten die Anwesenden insbesondere über die Frage, wie man Unternehmen und Gemeinnützige zu mehr Mitarbeiterengagement animieren und wie man laufende Kooperationen nachhaltig begleiten kann.
Ausblick: Im Sommer erscheint eine ausführliche Darstellung in Form einer Broschüre.
Die Marktplatzmethode
Getragen von der Idee, neue gesellschaftliche Kooperationen für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft besser zu nutzen, fördert die Bertelsmann Stiftung die Marktplatz Methode in Deutschland und Europa. Ziel der ursprünglich in den Niederlanden entwickelten Methode, ist es, Impulse für den erfolgreichen Aufbau sozialen Kapitals im lokalen Umfeld zu setzen.
Die Idee ist so innovativ wie charmant: Die Marktplatz-Methode bringt gemeinnützige Organisationen und Wirtschaftsunternehmen für einige Stunden zusammen, um "Gute Geschäfte" zu tauschen. Hierfür prüfen die Anwesenden - ähnlich wie auf einem Markt - wechselseitig Unterstützungsangebote und Unterstützungsgesuche und treffen Vereinbarungen unterschiedlichster Art. Die goldene Regel hierbei lautet: gegeben werden kann alles, bis auf Geld! Auf diese Weise werden Grundlagen geschaffen für künftige, langfristige Engagementpartnerschaften zwischen Unternehmen und Gemeinnützigen - zum Wohle der Beteiligten und des Gemeinwesens. Dazu drei Beispiele:
Der lokale Erste-Hilfe-Club sucht Trainingsräume. Ein Unternehmen stellt für diesen Zweck Räume zur Verfügung. Dafür erhalten drei seiner Mitarbeiter unentgeltlich ein Erste-Hilfe-Training.
Ein Unternehmen spendet seine nicht mehr benötigten Computer einem Nachbarschaftszentrum, das diese noch gut verwenden kann.
Eine Kommunikationsagentur hilft einer Patientenorganisation bei der Neugestaltung ihres Mitgliedermagazins.
Mittlerweile haben auf der Basis der Marktplatz-Methode in über 25 deutschen Städten "Gute Geschäfte" stattgefunden - zum Teil bereits zum zweiten oder zum dritten Mal.















