Projekte
Business Summer School
Frauenquote = 100% - Zweite Business Women School auf Schloss Ziethen
Eins haben die 24 Teilnehmerinnen alle gemeinsam: sie sind Frauen. Und gerade dieser Aspekt trug im Vorfeld zu einer gewissen Skepsis bei. Wenn überhaupt, hatte man Erfahrungen mit einer rein weiblichen Gruppe nur im Sport gemacht. Aber im Business-Kontext...? Und im Rahmen eines Seminars mit dem Ziel der Entwicklung eines Handlungskonzepts zu Unternehmens- und Führungskultur?
Und neben dieser einen Gemeinsamkeit lebt die Veranstaltung von jeder Menge Vielfalt:
- entsendende Unternehmen unterschiedlichster Branchen - Energie, Chemie, Nahrungsmittel, Pharma, Beratung, Banken, Versicherungen, ein öffentlich-rechtlicher Sender.
- vielfältige Funktionen - Marketing, Finanzierung, Vertrieb, Redaktionsleitung, Personal, Leitung Vorstandsbüro, Vorstand.
- Herkunftsländer - Deutschland, Österreich, Frankreich, Singapur
Doch Vertrauen machte sich schnell breit. Schon nach einer Stunde "offenbart man sich in kleinen Gruppen und es zeigt sich deutlich: Irgendwie haben wir tagein, tagaus ähnliche Sorgen, Problemchen und Konfrontationen im laufenden Arbeitsalltag" - so eine Teilnehmerin im Webtagebuch.
Neben inhaltlichen Impulsen zu Unternehmenskultur und Veränderungskompetenz, der Vermittlung von Techniken zur professionellen Gestaltung eines Handlungskonzeptes zur Veränderung im Job, war das Erleben von und die Diskussion mit ReferentInnen aus der Praxis wichtig.
Die Auftaktreferentin Lisa Ortgies sprach bei der kritischen Betrachtung von Frauenkarrieren und -rollenbildern von einem Trend zum Biologismus. Doch dem stehen Erkenntnisse der Hirnforschung entgegen, denn die Plastizität des Gehirns ist nachgewiesen. Ein wichtiger Faktor bei der "Selbstdomestizierung bei Frauen" spielen auch die Medien, die es unterstützen, dass Frauen sich in ihrer Rolle als Mutter massiv unter Druck setzten beim Streben nach "bester Bildung, bester Ernährung, bester Erziehung" ihrer Kinder - und das zusätzlich zur Verantwortung im Job.
Und gefragt nach Ihrer Haltung gegenüber der Quote war sie sehr eindeutig: "Ich habe inzwischen ein Alter erreicht, wo ich nicht mehr geduldig darauf warten mag, dass sich etwas verändert. Die Frauenquote beschleunigt den Prozess." Thomas Sattelberger habe bei der Einführung der Frauenquote bei der Telekom auch begründet, wieso dieser Schritt notwendig ist: alle vorgelagerten Frauenförderprogramme hätten nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Und männliche Führungskräfte hätten nun mal das Muster der homo-sozialen Reproduktion - ein Muster das per Quote durchbrochen werden könne.
Beim nächsten Gast Dr. Rüdiger Grube, Vorstandsvorsitzender der Bahn AG, profitierten die Teilnehmerinnen von der Schilderung seiner sehr konkreten Maßnahmen zur Verbesserung der Unternehmenskultur im ersten Jahr seines Amts: eine breitere Beteiligung von oberen Führungskräften und Vorstandskollegen beim Agendasetting und im Außenauftritt; auch menschliche Defizite bei Mitarbeitern angehen und nicht immer nur Fachliches in den Vordergrund stellen; Foren schaffen, bei denen eine große Zahl von Führungskräften mit Vorständen in den Austausch gehen; und letztendlich als Vorstandsvorsitzender ein Vorbild sein, das zentrale Werte lebt.
Aus ihrem reichen Schatz von Lebens- und Führungserfahrung vermittelte Dr. Lore Maria Peschel-Gutzeit den Teilnehmerinnen ein oberstes Gebot: "Die Frauen müssen die Spielregeln der Männer unbedingt kennen, nicht benutzen." Und auch sie ist eine Verfechterin der Frauenquote, denn die Quote unterstützt, dass Frauen die gleiche Chance wie Männer haben, ein Etappenziel in ihrer Karriere erreichen. "Die guten Frauen werden dann endlich gefördert!"
Pamela Rosenberg bot einen Einblick in die ganz andere Welt Kulturschaffender, deren Anspruch es nicht sein kann, schwarze Zahlen zu schreiben. Doch die Anforderung an sie als Führungskraft , sind dann doch wieder ähnlich: Zuhören, Probleme vorausahnen, stringente Verhandlungsführung und Klarheit darüber, wo Spielräume sind und wo eine harte Linie unerlässlich ist.
Eine Feststellung aus der Diskussion mit Staatsministerin Prof. Maria Böhmer wurde bei von einigen Teilnehmerinnen zum Leitmotiv mit Appell-Charakter:"Wenn Du nicht nach den Sternen greifst, bleibst Du nur an der Dachrinne hängen."
Karen Heumann, Strategievorständin bei Jung von Matt, brachte das Thema "Netzwerken und Frauen" auf den Punkt: Frauen haben für sich noch nicht den Hebel definiert, den Netzwerke bieten können. Sie sollten ihr Verständnis von "Netzwerk" erweitern und auch deren Nutzung für berufliche Zwecke als legitim betrachten.
Und so endet die diesjährige Business Women School bei den Teilnehmerinnen mit dem Bewusstsein, dass "ein Netzwerk geschaffen" wurde, "welches sich weiterhin treffen, austauschen und gegenseitig bereichern wird. Am Sonntag hatte ich nicht die geringste Vorstellung was mein Handlungskonzept werden könnte und nun habe ich ebenfalls mit vollem Engagement mein Konzept präsentiert. Ich kann es kaum abwarten mit der Umsetzung zu starten!", zog eine Teilnehmerin ihr Resümee.
Weitere Statements finden Sie im Web-Tagebuch.




