Direktlink:
Inhalt; Accesskey: 2 Hauptnavigation; Accesskey: 3 Servicenavigation; Accesskey: 4
Platzhalterbild
Berlin/Gütersloh, 29.11.2007

Demographischer Wandel fordert große Bildungsanstrengungen

Forum Demographischer Wandel: Verbesserungen in allen Bildungsphasen notwendig

Bundespräsident Horst Köhler.
Bundespräsident Horst Köhler beim "Forum Demographischer Wandel des Bundespräsidenten in Zusammenarbeit mit der Bertelsmann Stiftung".

Der demographische Wandel als Herausforderung der Bildung steht im Fokus der diesjährigen Konferenz des "Forum Demographischer Wandel des Bundespräsidenten in Zusammenarbeit mit der Bertelsmann Stiftung". Wenn unsere Gesellschaft zahlenmäßig kleiner wird, weil weniger Kinder geboren werden, ist es umso wichtiger, dass jedes von ihnen optimale Möglichkeiten zur Entfaltung seiner Talente und Fähigkeiten erhält. Wenn der Altersdurchschnitt steigt, gewinnen Weiterbildung und lebenslanges Lernen immer mehr an Bedeutung. Und wenn infolge von Zuwanderung die soziale und kulturelle Heterogenität zunimmt, ist die Gewährleistung von Chancengleichheit in der Bildung unverzichtbar. Unser Bildungssystem wird diesen Herausforderungen nicht ausreichend gerecht. Die vorhandenen Defizite werden durch den demographischen Wandel noch zusätzlich verstärkt. Der demographische Wandel stellt unser Bildungssystem vor drei große Herausforderungen.

Geburtenrückgang: Mehr Investition in den Einzelnen nötig 
Die geringen Geburtenzahlen führen dazu, dass die Bevölkerungsdichte und besonders der Anteil von Familien, Jugendlichen und Kindern in strukturschwachen Gebieten abnehmen. Dadurch wird dort die Bereitstellung eines differenzierten Bildungsangebots erschwert. Seit Mitte der 90er Jahre haben bereits über 450 Gemeinden in Ostdeutschland ihre Grundschule vor Ort verloren. Ohne veränderte Schulstrukturen reduziert sich im demographischen Wandel die Chancengleichheit bei Bildung, wenn bestimmte Bildungsangebote nicht mehr flächendeckend angeboten werden können.

Früh wird das Fundament für lebenslanges Lernen gelegt. In den ersten sechs bis acht Lebensjahren macht das Gehirn des Menschen seine wichtigsten Entwicklungen durch. Versäumnisse in dieser Zeit können später kaum aufgeholt werden. Doch viele Menschen in Deutschland sehen diese Phase offenbar noch nicht als entscheidende für ihre gesamte Bildungsbiographie an. In einer aktuellen emnid-Umfrage im Auftrag der Bertelsmann Stiftung äußerten 37 Prozent der Befragten, im Kindergarten fände nur wenig oder gar keine Bildung statt. Kein Wunder, besonders wenig wird in Deutschland in die frühe Bildung (einschließlich Grundschule) investiert. Und gerade in dieser Phase werden die Grundlagen für alle weiteren Bildungsschritte gelegt und der gesellschaftliche Ertrag von Bildung ist dort besonders hoch. Auch in der Schule steht es nicht zum Besten: 57 Prozent der Befragten sahen wenig oder gar keine individuelle Förderung für ihren Nachwuchs - ein maßgebliches Kriterium für erfolgreiche Bildungsverläufe.

Alternde Belegschaften brauchen mehr Weiterbildung
Mit steigendem Lebensalter nimmt die Beteiligung an der beruflichen Weiterqualifizierung heute deutlich ab. Gleichzeitig nimmt die Zahl der älteren Arbeitnehmer zu. Während heute jeder Fünfte im erwerbsfähigen Alter älter als 55 Jahre ist, wird es im Jahr 2020 fast jeder Dritte sein. Aber nur sechs Prozent der gesamten Fortbildung wird heute von Beschäftigten dieser Altersgruppe wahrgenommen. Im globalen Wettbewerb, in dem das Wissen eine immer kürzere Halbwertszeit hat, ist lebenslanges Lernen ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Theoretisch ist diese Erkenntnis auch in den Köpfen angekommen: Über 90 Prozent der Befragten sagten, sie fühlten sich selbst für ihre Weiterbildung verantwortlich. Gleichzeitig hapert es aber offenbar an der Umsetzung: Fast 60 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass ihr einmal erworbenes Wissen auf immer genügt. Befragte mit Abitur und solche ohne Abschluss und ohne Lehre meinen, dass ihr Wissen nicht bis ans Ende ihrer Berufstätigkeit ausreichen wird (57 bzw. 55 Prozent). Die gut Ausgebildeten sind daher auch bereit, eigene Ressourcen an Geld (71 Prozent) und Freizeit (86 Prozent) in ihre Weiterbildung zu stecken. Auf dem niedrigsten Bildungsniveau würden dagegen nur 53 Prozent eigenes Geld und 56 Prozent ihre Freizeit investieren.

Migrationshintergrund darf nicht über Bildungserfolg entscheiden
Schüler mit Migrationshintergrund haben im deutschen Bildungssystem wesentlich schlechtere Startchancen als Schüler ohne Migrationshintergrund. Beim Kompetenzerwerb in der Schule liegen Kinder mit Migrationshintergrund im Bereich Mathematik etwa 80 Punkte hinter den Ergebnissen der Inländer. Das entspricht einem Lernrückstand von etwa zwei Jahren. Besonders gravierend ist, dass in Deutschland der Rückstand der zweiten Generation (Kinder, die bereits im Land geboren wurden) höher ist als in jedem anderen Land. Im Vergleich zur ersten Generation ist ihr Rückstand noch größer. Aufgrund der unterschiedlichen Geburtenzahlen nimmt der Anteil von Kindern mit mindestens einem ausländischen Elternteil weiter zu. Während heute etwa ein Viertel der Schulabgänger einen Migrationshintergrund hat, ist es in der Altersgruppe der unter Sechsjährigen schon ein Drittel. Wenn es nicht gelingt, die Bildungschancen dieser Kinder zu verbessern und sie in der frühkindlichen Erziehung, im Kindergarten und in der Schule gezielt zu fördern, wird der Anteil der Jugendlichen, die die Schule mit ungünstiger Prognose verlassen, in den kommenden Jahren deutlich ansteigen. Dass hier Veränderungen vorgenommen werden müssen, befürworten 70 Prozent der Deutschen laut Umfrage. So sprechen sich auf die Frage, wann Kinder auf unterschiedliche Schultypen wie Hauptschule und Gymnasium gehen sollen 70 Prozent gegen die heute gängige Trennung nach der vierten Klasse aus.


Ansprechpartner
Porträt von Andreas Esche Andreas Esche
Telefon:
+49 5241 81-81333
weiterer Ansprechpartner

Matthias Ritter

Forum Demographischer Wandel

größeres Format
weitere Audios und Videos
Drucken Senden Bookmark RSS abonnieren Hilfe

SEITE SENDEN:

SEITE SENDEN

Vielen Dank für die Weiterempfehlung! Die Email wurde versendet.

 |  Die Stiftung |  Reinhard Mohn |  Politik |  Gesellschaft |  Wirtschaft |  Bildung |  Gesundheit |  Kultur |  Presse |  Verlag |  Service |  Projekte | 
 |  English  |  Karriere  |  Kontakt  |  RSS  |  Sitemap  |   |  Suche  |  Impressum  |  Datenschutz  |