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Reinhard Mohn - der Stifter

"Eigentum verpflichtet"

Ehepaar Mohn
Ehepaar Mohn
Fotograf: Thomas Kunsch

Die Familientradition mit der Überzeugung, dass "Eigentum verpflichtet", hat das Menschenbild Reinhard Mohns geprägt. Sein daraus resultierendes Engagement für die Gesellschaft führte 1977 zur Gründung der Bertelsmann Stiftung.

Der erfahrene Unternehmer Reinhard Mohn erkannte in den siebziger Jahren, dass die Politik nicht transparent genug, die Demokratie nicht lebendig genug war. Dass die vorherrschende Art der Führung die Evolution dieser Ordnungssysteme blockierte. Und dass Strukturen und Vorschriften auf allen Ebenen die Initiative der Bürger lähmten.

So wie schon der Aufbau der Bertelsmann AG mit sorgfältig durchdachten wirtschaftlichen und sozialpolitischen Überlegungen einherging, so lagen auch der Gründung der Bertelsmann Stiftung zwei Zielsetzungen zugrunde: Die erste galt der Sicherung der Unternehmenskontinuität. Die 1977 abgeschlossenen Verträge sahen vor, dass die Stiftung zu einem späteren Zeitpunkt das Kapitalvermögen der Familie Mohn übernimmt. Die zweite Zielsetzung galt dem von ihm geforderten demokratischen Engagement aller Bürger. Die Bertelsmann Stiftung wurde als operative, konzeptionell arbeitende Einrichtung geplant, die bei der Gestaltung und Durchführung ihrer Projekte gleichermaßen mit Wissenschaftlern und Fachkräften aus unterschiedlichsten Gebieten zusammenarbeiten und dabei in engem Kontakt mit staatlichen und privaten Institutionen stehen sollte.

So beschäftigte sich Reinhard Mohn schon früh mit der Frage, welche Anforderungen an Bildung zu stellen sind. Dazu gehörten Leseförderung, moderne Unterrichtsformen in Schulen, aber auch der Aufbau von modernen Bibliotheken. Beim Evangelisch Stiftischen Gymnasium in Gütersloh wurden schon damals Medien und Computer zu einem festen Bestandteil des Unterrichtes und dienten für zahlreiche Schulen als Vorbild. Eine ähnliche Intention steckte in dem Neubau der Gütersloher Stadtbibliothek: Zum ersten Mal standen die Nutzer der Bibliothek im Mittelpunkt. Auch mit dem Blick von heute sind viele seiner Initiativen aus der Anfangszeit der Stiftung noch immer von großer Modernität. Nicht weil ein einheimischer Unternehmer seiner Geburtsstadt etwas Gutes tun wollte, sondern weil die Ideen, die hinter den Projekten steckten, ihrer Zeit weit voraus waren.

Auch seine früheren Überlegungen zur Völkerverständigung, zur Intensivierung der Beziehungen zwischen Europa und den Vereinigten Staaten sowie seine Projekte zur Aussöhnung mit Israel sind noch heute Arbeitsschwerpunkte der Stiftung. Und natürlich die vielen Wirtschafts- und Effizienzthemen in Organisationen und Verwaltungen. Die Stiftung hat sich schnell entwickelt. Neue Arbeitsgebiete kamen hinzu, zum Beispiel Kultur, Gesundheit und geistige Orientierung. Trotz seines hohen Alters war Reinhard Mohn bis Mitte 2009 täglich in der Stiftung präsent und hat immer wieder neue Vorschläge und Gedanken in die Arbeit eingebracht. Bis zuletzt war er Mitglied des Kuratoriums der Bertelsmann Stiftung. Er war ein unruhiger Geist, der mit großem Interesse Veränderungen verfolgt und sie mit seinen Gedanken und Vorstellungen abgeglichen hat. Er war damit nie am Ende, sondern immer auf dem Weg.

Mit großer Freude hat er gesehen, wie die Stiftung sich zunehmend internationaler ausrichtete, wohl wissend, dass in unserer globalisierten Welt ein Staat allein nicht mehr in der Lage ist, die Probleme zu lösen, sondern dass dazu Staatengemeinschaften gebraucht werden. Demographie, Integration, Finanzströme, Umwelt, Klima und Energie sind nur einige Stichworte, die dies deutlich machen.

Dass seine Überzeugungen an vielen Stellen weitertragen werden, zeigen die Bürgerstiftungen. In den USA hat Reinhard Mohn gesehen, dass die größten und erfolgreichsten Stiftungen von den Bürgern selbst für ihre Städte gegründet werden. Reinhard Mohn fand diese Idee faszinierend. Typisch für ihn war: Er gründete in seiner Heimatstadt Gütersloh eine solche Stadt-Stiftung, stattete sie mit einem Grundkapital aus und installierte gleichzeitig ein Beratungssystem für andere Städte. Inzwischen gibt es allein in Deutschland Hunderte von Bürgerstiftungen.

Reinhard Mohn ist nicht der Erfinder der Zivilgesellschaft. Aber er hat ihre Bedeutung erkannt, und er hat sie gefördert aus der Überzeugung, dass der Staat nicht alles leisten kann, sondern dass die Bürger Teil dieses Staates sind und ihre Beiträge leisten müssen. Er selbst hat gezeigt, wie ernst es ihm damit war. Er schenkte der Stiftung 1996 die große Mehrheit an den Aktien der Bertelsmann AG und stellte so sicher, dass die Stiftung aus den Erträgen ein sicheres Fundament hat, auf dem sie weiterentwickelt werden kann. Besser, überzeugender und großzügiger kann man nicht zeigen, dass man gesellschaftliche Verantwortung ernst nimmt.

Aus den Stiftungsanfängen erwuchsen so in über dreißig Jahren Stiftungsarbeit Hunderte von Projekten, die in den Bereichen Gesellschaft, Bildung, Kultur, Integration, Patientenorientierung und Bürgerbeteiligung exemplarische Modelle vermittelten. Die Ergebnisse haben die Teilhabe des Bürgers am öffentlichen Leben nachhaltig verbessert. In vielen Arbeitsfeldern ist es der Bertelsmann Stiftung gelungen, mit Unterstützung durch Expertisen aus dem In- und Ausland erheblichen Reformbedarf und erfolgreiche Lösungsvorschläge aufzuzeigen.

"Für mich persönlich hat sich in den Initiativen der Bertelsmann Stiftung jenes praktische demokratische Engagement bewiesen, von dem ich seit meiner Zeit im Kriegsgefangenenlager Concordia geträumt hatte. Bürgernah und unmittelbar auf die gesellschaftspolitischen Entwicklungen des modernen Staates ausgerichtet, konnten die Stiftungsprojekte einen Weg erproben, unsere Demokratie effizienter und den Kapitalismus menschlicher zu machen. Die in den siebziger Jahren angestoßenen Überlegungen führen uns heute mit den Veränderungen eines weltweiten Globalisierungsprozesses weit über Deutschland hinaus und fordern uns mit ihren Fragen nach einer gerechten Teilhabe und Integration in einer globalisierten Welt zur politischen Stellungnahme und aktivem Handeln auf. Bis heute stehen die Grundfragen nach Menschlichkeit und Gerechtigkeit in den politischen und gesellschaftlichen Systemen dieser Welt im Mittelpunkt der Stiftungsstrategie." (Reinhard Mohn - Sein letztes Interview, 2008)


Zitat
Portrait Reinard Mohn.

"Der übergeordnete Auftrag eines Unternehmens ist heute sein Leistungsbeitrag für die Gesellschaft."
(Reinhard Mohn)

Publikation
Cover: Die gesellschaftliche Verantwortung des Unternehmers

Die gesellschaftliche Verantwortung des Unternehmers

Reinhard Mohns Vision läuft auf eine "Bürgergesellschaft" nach angelsächsischem Vorbild hinaus, die unter der Prämisse "So wenig Staat wie möglich" steht.

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