Christentum im Abendland - auch heute von großer Bedeutung
Internationaler Religionsmonitor registriert große Bedeutung des christlichen Glaubens in Europa - Ausgeprägtes religiöses Gefälle zwischen einzelnen europäischen Ländern
Entsprechend der repräsentativen Erhebung des Religionsmonitors der Bertelsmann Stiftung ist Europa nach wie vor stark vom christlichen Glauben geprägt. Drei Viertel aller Europäer (74 Prozent) in den erhobenen Ländern sind religiös, ein Viertel (25 Prozent) sogar hochreligiös. Nur 23 Prozent der Europäer sind nicht religiös. Mit Hilfe dieses interdisziplinären Messinstrumentes konnte nicht nur die religiöse Vielfalt, sondern auch die Intensität der religiösen Einstellungen und Praktiken ermittelt werden. Dabei wurde zwischen einzelnen europäischen Ländern ein ausgeprägtes Gefälle festgestellt, das sehr stark von nationalen Traditionen beeinflusst wird. Der Religionsmonitor liefert direkt vergleichbare Daten für die sieben europäischen Länder Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Österreich, Polen und die Schweiz. In diesem Vergleich sind Glaube und Religion am stärksten verwurzelt in Italien (89 Prozent) und Polen (87 Prozent), am schwächsten im laizistischen Frankreich (54 Prozent).
Gelebte religiöse Praxis
Wenn auch in unterschiedlicher Intensität, so hat Religiosität doch einen Einfluss auf Individuum und Gesellschaft in allen erhobenen Ländern. Dies betrifft vor allem den Umgang mit wichtigen Lebensereignissen, wie Geburt oder Tod und Fragen nach dem Sinn des Lebens. Den geringsten Einfluss hat Religiosität auf die Lebensbereiche Politik und Sexualität. Viele Europäer haben Verhalten und Einstellungen auf diesen beiden Gebieten explizit von ihrem Glauben abgekoppelt. Insgesamt behaupten 58 Prozent der Europäer, dass sie sich in ihrer politischen Auffassung gar nicht oder nur wenig von religiösen Überzeugungen leiten lassen. Ähnlich ungern lassen sich die Europäer von Glaube und Religion in ihre Sexualität hineinreden, dies zumindest sagen 48 Prozent.
Dennoch spielt der Glaube auch im Alltagsleben der Menschen in Europa eine so große Rolle, dass mehr als die Hälfte (57 Prozent) ihren Glauben auch leben und mehr oder weniger regelmäßig an Gottesdiensten teilnehmen. 61 Prozent bekennen sich zum persönlichen Gebet.
Religiöses Gefälle
Wie bei der Religiosität im Allgemeinen, ist auch bei der religiösen Praxis ein ausgeprägtes Gefälle zwischen einzelnen europäischen Ländern feststellbar. In Polen ist der Anteil derjenigen, die wöchentlich oder jedenfalls immer wieder die Gotteshäuser besuchen, nach dem Religionsmonitor am größten (öffentliche religiöse Praxis: 64 Prozent hoch; 26 Prozent mittel). Auch in Italien gehört der Gottesdienstbesuch für die überwiegende Mehrheit zur Normalität (49 Prozent hoch; 26 Prozent mittel). Schlusslichter bilden Deutschland (17 Prozent hoch; 27 Prozent mittel) und Frankreich (16 Prozent hoch; 29 Prozent mittel).
Junge Erwachsene nicht weniger religiös
Die Bedeutung der Religion für den Alltag und die entsprechenden Erwartungen der Menschen in Europa lassen auf eine Kontinuität durch die Generationen hindurch schließen. So glauben junge Erwachsene nicht weniger an Gott bzw. etwas Göttliches und an ein Weiterleben nach dem Tod als die Gesamtbevölkerung. Von den 18- bis 29-Jährigen zeigen sich 41 Prozent stark und 30 Prozent mit mittlerer Intensität von diesen Glaubenssätzen überzeugt. In der Gesamtbevölkerung liegen diese Anteile bei 42 Prozent bzw. 27 Prozent. Genau wie in der Gesamtbevölkerung können 26 Prozent der jüngsten befragten Altersgruppe diesen Vorstellungen nur wenig oder nichts abgewinnen.
Katholiken religiöser als Protestanten
Der katholische Glaube ist in den erhobenen europäischen Ländern erkennbar tiefer verwurzelt als der evangelische. Dieser Unterschied ist weniger quantitativ als qualitativ. Der Anteil der Religiösen weicht im Vergleich zwischen Katholischen und Evangelischen nur marginal ab: 85 Prozent von den Katholiken und 81 Prozent von den Evangelischen wurden als religiös eingestuft. Große Unterschiede wurden jedoch bezüglich der Intensität der Religiosität festgestellt. Von den Katholiken sind 33 Prozent als hochreligiös einzustufen, von den Evangelischen dagegen nur 18 Prozent. Außerdem beträgt der Anteil derjenigen, die formal einer Kirche angehören ohne wirklich religiös zu sein, bei den Katholiken 11 Prozent und bei den Evangelischen sogar 16 Prozent.
Religiöse Konfessionslose
Wie es unreligiöse Christen gibt, so gibt es auch religiöse Konfessionslose, wie der Religionsmonitor feststellen konnte. 68 Prozent der Konfessionslosen sind zugleich nicht religiös. 27 Prozent, also etwas mehr als ein Viertel in dieser großen Gruppe, werden jedoch als religiös eingestuft. Eine kleine Gruppe von 3 Prozent wird nach den Kategorien des Religionsmonitors sogar als hochreligiös bezeichnet.
Die wichtigsten Ergebnisse auf einen Blick
Einige der wichtigsten Ergebnisse der repräsentativen Erhebung des Religionsmonitors zu den sieben untersuchten Ländern wurden in einer Broschüre zusammengefasst. Die Publikation "Religionsmonitor 2008: Europa - Überblick zu religiösen Einstellungen und Praktiken" liegt auf Deutsch, Englisch und Französisch vor. Diese kostenlose Broschüre kann per E-Mail unter kontakt@religionsmonitor.de bestellt werden.
Podiumsdiskussion in Brüssel
Auf der Basis dieser Ergebnisse findet am 17. September 2008 eine Podiumsdiskussion zum Thema "Wie religiös ist Europa? Konsequenzen für Politik, Kirchen und Gesellschaft" statt. Die Veranstaltung führt die Bertelsmann Stiftung in Kooperation mit der Hanns-Seidel-Stiftung durch. Als Diskutanten haben sich Kardinal Peter Erdö (Budapest), Dr. Dieter Heidtmann (Brüssel), Prof. Dr. Matthias Koenig (Göttingen), Hamideh Mohagheghi (Berlin) und Prof. Dr. Hans-Georg Ziebertz (Würzburg) angekündigt. Die Moderation übernimmt der Quästor des Europäischen Parlaments, Dr. Ingo Friedrich.















