Rollenbilder und Selbstverständnis junger Männer und Frauen verschieben sich immer stärker
Wie sehen die Rollenbilder junger Männer und Frauen in der Zukunft aus? Wie können junge Frauen und Männer auf ein Leben mit Kindern und eine Balance von Familie und Beruf vorbereitet werden? Darüber diskutierten die Mitglieder der Expertenkommission Familie der Bertelsmann Stiftung vergangene Woche unter der Leitung von Amelie Fried mit Prof. Dr. Klaus Hurrelmann, Senior Professor of Public Health and Education an der Hertie School of Governance.
Liz Mohn, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung, betonte, dass es für junge Männer und Frauen zunehmend wichtiger werde, sich ihrer veränderten Rolle in der Gesellschaft bewusst zu sein. Die "Versorgerehe", in der der Ehemann das Geld für die gesamte Familie verdient und die Ehefrau zuhause bleibt, werde zunehmend zum Auslaufmodell. Immer mehr junge Frauen seien beruflich hoch qualifiziert und wünschten sowohl sich eine eigene Familie als auch Erfolg im Beruf.
Dagegen fällt es jungen Männern oft nicht leicht, sich in einer immer schneller wandelnden Welt zurechtzufinden und an veränderte Rollenbilder anzupassen. Die derzeitige Wirtschaftskrise hat, wie eine Befragung der Bertelsmann Stiftung zeigt, tiefe Spuren im Bewusstsein der Menschen hinterlassen. Viele sind auf der Suche nach Werten und Orientierung und suchen Zuversicht, Wärme und Geborgenheit in ihrem persönlichen Umfeld. Damit wächst die Chance, dass die Familie für die meisten Menschen als Orientierung wieder wichtiger wird. Es gilt jetzt, die besten Rahmenbedingungen für eine Balance zwischen Familie und Beruf zu setzen.
Der Sozialisations- und Bildungsforscher Prof. Klaus Hurrelmann forscht seit Jahrzehnten zu den Schwerpunkten Familie, Kindheit, Jugend und Schule. Er war Leiter des wissenschaftlichen Teams, das die Shell-Jugendstudie 2006 erarbeitet hat. Nach seiner Ansicht füllten junge Frauen eher flexibel ihre neue Rolle als Mütter und Berufstätige aus, während sich junge Männer zum großen Teil nur unter Schwierigkeiten damit abfinden, nicht mehr Alleinernährer der Familie zu sein oder sein zu können. Während junge Frauen mit sehr viel mehr Selbstdisziplin erfolgreiche Bildungsabschlüsse erreichen, fallen junge Männer oft in überkommene männliche Rollen zurück und sind in Schule und Studium weniger erfolgreich. Hierbei spielt zum einen das Fehlen männlicher Identifikationsfiguren in der Bildung, zum anderen die mangelnde Anpassungsfähigkeit junger Männer an veränderte Anforderungen eine Rolle. Junge Frauen haben dagegen gelernt, die klassischen "3 K's" (Kinder, Kirche, Küche) um das "K" für Karriere zu erweitern.
Nach Ansicht von Professorin Ulrike Detmers werde es für Unternehmer immer wichtiger, junge Menschen und besonders Männer darin zu unterstützen, Familie und Beruf erfolgreich zu verbinden. Dennoch dürfe man nicht darin nachlassen, Frauen in ihrem Selbstwertgefühl zu stärken, damit sie sich besser behaupten und durchsetzen können, meinte Bundesministerin a. D. Renate Schmidt. Für junge Männer ist es nach Ansicht der Experten hilfreich, dass ihnen Eltern, aber auch Bildungseinrichtungen intensiv ein positives Rollenbild vom Mann in seiner Doppelrolle als Berufstätiger und aktiver Vater vermitteln. Eine stärkere gesellschaftliche Akzeptanz des Wunsches von Vätern nach mehr Zeit für die Familie und eine aktive Väter-Förderung in Unternehmen könnten den Prozess nachhaltig unterstützen.
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Null Bock auf Familie?
Die traditionelle Rolle von Männern und Vätern verändert sich. Aber welche Lebensentwürfe und Rollen-vorstellungen haben Jungen und Männer eigentlich? Wie denken sie über Familie und Beruf? Was spricht gegen eine Vaterschaft? Das neue Buch "Null Bock auf Familie?" beantwortet diese Fragen.
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