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Gütersloh, 30.05.2009

Balance von Familie und Arbeitswelt - Fortschritte durch innovative Tarifpolitik und Betriebsvereinbarungen?

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Über den Stellenwert und Einfluss von Tarifpolitik und Betriebsvereinbarungen auf die Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Familie, diskutierten am Mittwoch vergangener Woche unter der Moderation von Amelie Fried die Mitglieder der Expertenkommission Familie der Bertelsmann Stiftung in Berlin mit Hubertus Schmoldt, Vorsitzender der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie und dem Betriebsratsvorsitzenden von Merz Pharma Dr. Rüdiger Koch.

Liz Mohn, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung, unterstrich in Ihrer Begrüßung, dass Unternehmen heute von ihren Mitarbeitern - und damit auch von ihren Familien - in der Globalisierung eine immer höhere Mobilität und Flexibilität verlangten. Neue Technologien und Arbeitsformen führten zu Entlastungen und an den Arbeitsplätzen dazu, die Vereinbarkeit besser zu leben. Daraus ergebe sich eine steigende Bedeutung für die Arbeit der Gewerkschaften und Betriebsräte. "Es ist eine der Herausforderungen unserer Zeit, Menschen auf ihre Chancen vorzubereiten. Es ist auch unsere Verantwortung, Menschen auf dem Weg der Veränderung mitzunehmen! Ich bin davon überzeugt, dass eine partnerschaftliche Unternehmenskultur mit einem offenen, vertrauensvollen Dialog der Interessenvertretungen die Voraussetzungen dafür schafft", appellierte Liz Mohn an die Diskussionsrunde.

Seit 2005 mache sich die IG BCE für mehr Familienfreundlichkeit in Betrieben stark, wie Hubertus Schmoldt berichtete. In der chemischen Industrie hätten die Sozialpartner (BAVC und IG BCE) eine Vereinbarung zur "chancengleichen und familienbewussten Personalpolitik"  abgeschlossen. Damit sei die Chemie die erste Branche, die eine derartige Selbstverpflichtung eingehe. Die Partner bekennen sich dazu, die Berufstätigkeit von Eltern in der chemischen Industrie zu fördern, das Erwerbskräftepotenzial gerade qualifizierter weiblicher Fachkräfte zu nutzen und die Vereinbarkeit der Berufstätigkeit mit familiären Aufgaben zu ermöglichen. Auf betrieblicher Seite sei es an den Arbeitgebern und den Arbeitnehmervertretungen, Lösungen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu gestalten. In den Leitfäden und Ratgebern der Gewerkschaft würden gezielt auch Väter angesprochen, da zunehmend mehr Väter Wege zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie suchten. Um eine familien- und work-life-orientierte Unternehmenskultur aufzubauen, sei es heute in den Betrieben von entscheidender Bedeutung, das Thema als ein strategisches in Unternehmen einzuordnen, zu gewichten und Führungskräfte zu überzeugen.

Auch in der Wirtschaftskrise müssten Unternehmen in Deutschland auf eine familienbewusste Personalpolitik setzen. Der demografische Wandel und der damit einher gehende verstärkte Fachkräftemangel würden durch die Krise nicht außer Kraft gesetzt. Entscheidend dafür, wie Unternehmen daraus herauskommen könnten, werde sein, ob sie ausreichend kompetente und hoch motivierte Fachkräfte hätten. Für die Zukunftsfähigkeit des Landes ist es für Schmoldt von entscheidender Bedeutung, ob es gelingt, die Erwerbstätigkeit von Müttern zu stärken.

Nach Ansicht von Dr. Rüdiger Koch, Betriebsratsvorsitzender und Projektleiter "Audit Beruf und Familie", Merz Pharma, können gerade Betriebsräte wichtige Multiplikatoren sein und über Betriebsvereinbarungen für familienfreundliche Regelungen mehr Verbindlichkeit schaffen. Wichtig sei für Betriebsräte, die Chancen in diesem Thema zu sehen und im Interesse der Beschäftigten an der Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Unternehmen aktiv mitzuwirken, auch und gerade angesichts mancher Schwierigkeiten und Widerstände. Familienbewusste Personalpolitik und work-life-balance seien längst nicht mehr nur ein "Frauenthema", sondern ein querschnittsorientiertes betriebliches Politikfeld, das alle angehe. Merz Pharma habe unter anderem zu den Themen Elternzeit, alternierende Telearbeit, Vertrauensarbeitszeit, Freistellung in Pflegesituationen und betriebliches Gesundheitsmanagement Betriebsvereinbarungen abgeschlossen bzw. in Vorbereitung.

Die Expertenkommission Familie wurde 2006 von Liz Mohn vor dem Wissen gegründet, dass mit einem Familienbild aus dem vergangenen Jahrhundert nicht auf die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts reagiert werden kann. Bedeutende Persönlichkeiten aus verschiedenen Bereichen des Lebens haben sich in ihr zusammengeschlossen, um neue Wege zu finden und ein neues Denken in die Köpfe der Menschen zu bringen.


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