Wettbewerb als Chance
BIX - der Bibliotheksindex
Die Betriebsvergleiche und der Bibliotheksindex haben einen Impuls zu einer stärkeren Leistungs- und Managementorientierung in der deutschen Bibliothekswelt gegeben. Bereits in den ersten Betriebsvergleichsprojekten wurde neben der internen Optimierung der eigenen Organisation die Rechenschaftslegung in den Blick genommen. Eine Vielzahl von Indikatoren und Kennzahlen wurde entwickelt, in der Praxis getestet und lieferte eine fundierte Basis für Entscheidungsprozesse. Im Kampf um Ressourcen, in öffentlichen Bibliotheken seit mehr als zehn Jahren substantielles Thema, bedarf es eines überschaubaren und gleichzeitig aussagekräftigen Instrumentariums. Die Diskussion um Personal- und Medienetats mit den Verantwortlichen in Politik und Verwaltung muss neben den unvermeidlichen finanziellen Aspekten auch Angebotsleistungen einbeziehen. Die Aufgaben und Leistungen von Bibliotheken waren - und sind es noch - nicht selbstverständlich und müssen permanent neu begründet werden.
Betriebsvergleiche an öffentlichen Bibliotheken
Die zahlreichen Betriebsvergleiche der Bertelsmann Stiftung in kommunalen Einrichtungen haben eine lange Tradition. Bereits seit den frühen 90er Jahren wurde die Idee Reinhard Mohns, durch Leistungsvergleiche Wettbewerbsfaktoren in kommunale Zusammenhänge einzuführen, in unterschiedlich großen Städten umgesetzt - sei es für den umfassenden Bereich der Kultur oder für einzelne Einrichtungen wie beispielsweise Bibliotheken. Die Einführung neuer Steuerungsmodelle in den Kommunalverwaltungen begünstigte dabei viele dieser Initiativen: Die Herstellung von Transparenz als Grundlage für die Optimierung von Prozessen, Angeboten und Kontakten, die Einführung moderner Managementmethoden und die Bereitschaft sich mit anderen zu vergleichen und dabei zu lernen - dies alles stand und steht im Zentrum vergleichender Betrachtungen.
Ein erstes Projekt dieser Art war der "Betriebsvergleich an Öffentlichen Bibliotheken", der in der Zeit von 1992 bis 1996 mit 18 Bibliotheken unterschiedlicher Größe und aus verschiedenen Bundesländern durchgeführt wurde. Getestet wurden zahlreiche Kennzahlen und es entstand ein Berichtswesen, das auch in späteren Projekten der Bertelsmann Stiftung eingesetzt wurde. 1997 wurde ein Nachfolgeprojekt gemeinsam mit den Staatlichen Fachstellen, die als Behörden der Bundesländer mit der Bibliotheksentwicklung beauftragt sind, durchgeführt. In zwölf Vergleichsringen beteiligten sich bundesweit 78 Bibliotheken an diesem interkommunalen Vergleich zur Standortbestimmung und Weiterentwicklung von Angeboten.
Bibliotheksindex (BIX)
Vor dem Hintergrund der Erfahrungen im Rahmen der Betriebsvergleichsprojekte und der Anforderungen an Bibliotheken in kommunalen Kontexten wurde 1999 mit der Entwicklung des BIX begonnen. In Kooperation mit dem Deutschen Bibliotheksverband DBV und methodisch begleitet durch infas (Institut für angewandte Sozialforschung) wurde ein Indexsystem mit dem Ziel entwickelt, Bibliotheksleistungen sehr überschaubar und gleichzeitig aussagekräftig abzubilden.
Neben der Standortbestimmung und der Stärken- und Schwächenanalyse zur Verbesserung der Angebote nutzen die Bibliotheken den BIX zunehmend für ihr Marketing. Ranking-Ergebnisse wie die des BIX können dabei sowohl für die interne als auch für die externe Kommunikation eingesetzt werden - und dies unabhängig vom positiven oder negativen Abschneiden. Es hat sich gezeigt, dass die freiwillige Beteiligung an einem Ranking bzw. Benchmarking grundsätzlich positiv besetzt ist und ein modernes und selbstkritisches Image transportiert. Das Image von Bibliotheken zu verbessern gelingt dann, wenn zielgruppenorientiert kommuniziert wird - in Richtung Kunden, Mitarbeiterinnen, Träger und politische Gremien.
BIX für wissenschaftliche Bibliotheken
Dies gilt im Übrigen nicht nur für öffentliche sondern auch für Hochschulbibliotheken, die sich aufgrund unterschiedlicher Entwicklungen einem deutlich höheren Rechtfertigungsdruck stellen müssen. Sie sind konfrontiert mit neuen Finanzierungsmodellen für Hochschulen und mit Kostensteigerungen, die nicht zuletzt durch neue Publikationsformate und neue elektronische Angebote hervorgerufen werden. Aufbauend auf den bisherigen Erfahrungen wurde daher in einem weiteren Schritt ein Index für wissenschaftliche Bibliotheken entwickelt, wobei auf regionale, nationale und internationale Projekterfahrungen zurückgegriffen werden konnte.
Das gesellschaftliche und politische Umfeld, in dem wissenschaftliche Bibliotheken aktuell agieren, erfordert immer stärker transparente Steuerungsinstrumente, die die Messung und Bewertung von Bibliotheksleistungen ermöglichen und den konstruktiven Dialog von Verantwortlichen in Bibliothek, Hochschule und Politik fördern. Darüber hinaus verlangt die Diskussion um Profilbildung von Universitäten und Fachhochschulen neue Instrumente, die die Vermarktung von Bibliotheksangeboten unterstützen.
Benchmarking
Denn es geht nicht nur darum, das Image von Bibliotheken zu verändern - öffentliche und wissenschaftliche Bibliotheken müssen sich selbst verändern. Der Vergleich mit anderen, der Aufbau von Know-how durch die Einführung neuer Methoden aus anderen Branchen, das selbstkritische Hinterfragen der eigenen Arbeit, aber auch das Einfordern von Unterstützung durch die jeweiligen Träger führt nicht nur zu einer fachlichen Weiterentwicklung, sondern zwangsläufig zu einer Optimierung der Angebote und Prozesse für die Kunden in den Kommunen und Hochschulen.
Der BIX wurde im Sommer 2005 plangemäß an den Deutschen Bibliotheksverband übergeben. Unter Federführung des Kompetenznetzwerks Bibliotheken (KNB) sowie weiteren Partnern wie dem Hochschulbibliothekszentrum in Köln (hbz), der Zeitschrift B.I.T.online und infas wird der BIX weiter geführt.















