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Gütersloh, 31.03.2010

Wir brauchen eine öffentliche Theologie für nachhaltige Entwicklung

Hände halten eine Bibel.

Religiosität kann, unabhängig von den Glaubensrichtungen, nachhaltige Entwicklungen in der Welt fördern, wie im März international renommierte Religionswissenschaftler und Experten der fünf Weltreligionen auf einer Veranstaltung von Bertelsmann Stiftung und dem World Future Council in Hamburg übereinstimmend feststellten.

Sie plädierten übereinstimmend für eine Wiederbelebung religiös motivierter Werte, Verhaltens- und Lebensweisen, die nachhaltig sind. Der Druck auf die Weltreligionen werde größer, sich jetzt abgestimmt und aktiv in die gesellschaftspolitischen Debatten über Ziele individuellen Wohlergehens und gesellschaftlichen Fortschritts einzubringen.
„Schon ein flüchtiger Blick in die Überlieferungen und Rituale der Weltreligionen zeigt uns, dass der gegenwärtige Entwicklungspfad der Weltgesellschaft fundamental gegen religiöse Grundprinzipien verstößt“ argumentierte der aus Sri Lanka stammende Friedensaktivist, Völkerrechtsexperte und ehemaliger Vizepräsident des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag, Christopher Gregory Weeramanthry.

Aus einer Untersuchung der fünf Weltreligionen zieht er den Schluss: „Wir leben in einer Epoche größter Verschwendung und gleichzeitig größter Armut. Aber eine Grundhaltung des ’Immer mehr’ wird von den Religionen schlichtweg verworfen. Übersteigertes Konsumverhalten und rein materielles Wohlstandsstreben sind in allen Weltreligionen unvereinbar mit religiösen Grundprinzipien und Werten eines gelingenden Lebens. Denn diese sind auf einen friedlichen Umgang mit Mitmenschen und eine treuhänderische Fürsorge für die Natur ausgerichtet.“

Gary Gardner, Senior Researcher des in Washington ansässigen Worldwatch Institutes, sieht deshalb in den Religionen wichtige Quellen, um eine Kultur der Nachhaltigkeit zu begründen. „Nachhaltige Entwicklung setzt voraus, dass wir die Grenzen der Tragfähigkeit der Erde und des Zusammenhaltes unserer Gesellschaften nicht weiter systematisch überschreiten“. Schwierig sei es nur, diese Grenzen den Menschen zu vermitteln. Dabei könnten die Weltreligionen eine wichtige Rolle spielen, denn Sie hätten schon immer die Anerkennung von Grenzen als Schlüssel für ein gelingendes Leben vertreten.

Professor Heinrich Bedford-Strohm von der Universität Bamberg fordert deshalb eine Theologie, die sich stärker der Welt öffnet. „Die Vertreter der Weltreligionen sind gut beraten, bloße binnenreligiöse Selbstverständigungsprozesse zu vermeiden und sich sehr viel stärker auf die säkularen Diskurse einlassen.“ Es gibt gute Gründe dafür, dass eine „öffentliche Theologie“ von den Menschen angenommen werden kann. Die Weltreligionen konkurrieren in dem was Lebensqualität kennzeichnet, nicht miteinander und stimmen nach der Analyse von Judge C. G. Weeramantry darüber grundlegend überein was Fortschritt ausmacht. Darüber hinaus belegt der Religionsmonitor der Bertelsmann Stiftung sehr eindrücklich, dass die Weltreligionen weite Teile der Gesellschaften erreichen, wie Dr. Stefan Huber von der Universität Bochum begründet: „Selbst im säkularen Westeuropa sind 75% der Bevölkerung auf gut begründete religiöse Konzepte einer nachhaltigen Entwicklung ansprechbar und über ihren Glauben aktivierbar. In weniger stark modernisierten Ländern sind es fast 99% der Bevölkerung.“  Zudem bewegen sich nach Ansicht des international als Reformer bekannten malaysischen Islamwissenschaftlers Dr. Chandra Muzaffar, Präsident von International Movement for a Just World (JUST), die Vertreter eines post-säkularen Glaubens in den westlichen Gesellschaften und die Vertreter eines post-religiösen Diskurses in den sich entwickelnden Ländern auf einander zu.

Für Dr. Shanta Premarvardhana, zuständig für den Interreligiösen Dialog beim ökumenischen Rat der Kirchen, ist es an der Zeit, dass die Weltreligionen ihre verschiedenen religiösen Quellen neu interpretieren. Sie müssen auf ihre Aussagen für eine gesellschaftlich inklusive und ökologisch verträgliche Entwicklung in einer vernetzten und von einander abhängigen Welt befragt werden.“

Der ehemalige österreichische Bundeskanzler Dr. Wolfgang Schüssel, Mitglied im Kuratorium der Bertelsmann Stiftung sieht in der Debatte einen wichtigen gesellschaftspolitischen Impuls: „Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat eine weltweite Debatte über unser Wachstumsdilemma ausgelöst: Unendliches Wachstum ist in unserer endlichen Welt schlichtweg nicht mehr zukunftsfähig. Unsere Generation muss deshalb den Übergang in ein qualitatives Wachstum, eine neue Balance der Interessen von Wirtschaft, Mensch, Natur und zukünftigen Generationen, schaffen. Die Vertreter der Weltreligionen und die religiösen Menschen spielen dabei eine wichtige Rolle.“


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