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Gütersloh, 16.03.2010

Schuldenabbau: Niemals mehr Geld ausgeben, als man hat

Langenfeld - eine Stadt wird schuldenfrei

Die Bürger von Langenfeld jubeln über ihre schuldenfreie Stadt.
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2008 jubelten die Bürger: Endlich ist ihre Stadt schuldenfrei.
Quelle: Stadt Langenfeld

Sparen und doch gezielt investieren, die Bürger einbeziehen, das Ehrenamt stärken und die Förderung des Mittelstandes zur Chefsache erklären - das ist das Rezept, das die Stadt Langenfeld schuldenfrei machte. "change - Das Magazin der Bertelsmann Stiftung" hat die Stadt im Rheinland in den Fokus genommen.

Es war im Oktober 2008. Da sprang die Schuldenuhr um. Klick - auf schuldenfrei! Die Bürger feierten, "so richtig, wie man das bei uns im Rheinland eben macht", erzählt Bürgermeister Frank Schneider (CDU). Und ganz bescheiden fügt er hinzu, dass er zwar schon lange in der Politik, aber eben doch erst seit letztem Jahr im Amt ist und die Feier noch in die Amtszeit seines Vorgängers Magnus Staehler (CDU) fiel. Doch Schneider fährt den gleichen Kurs: Nicht mehr ausgeben, als man hat. In Langenfeld scheint das gelungen zu sein. "Mitte der Neunzigerjahre hatten wir noch knapp 40 Millionen Schulden", erklärt er. "Dann wurde ein Beschluss auf Vorschlag des damaligen Kämmerers gefasst, dass die Haushalte in der Zukunft alle eine Netto-Neuverschuldung von Null haben sollen. Damit wurde ein Zeichen gesetzt, Schulden abzubauen und keine neuen aufzunehmen. Diesem Ratsbeschluss ist seitdem immer gefolgt worden."

Basis von allem sei ein Umdenken im wirtschaftlichen Bereich gewesen. Frank Schneider: "Wir hatten in den Achtzigerjahren wenige, dafür aber sehr große Firmen am Ort. Als dann gleich zwei dieser Firmen innerhalb eines Jahres mit ihrer Produktion nach Asien gingen, gab es plötzlich viele Arbeitslose." Ein Schock, aus dem man in Langenfeld gelernt hat: "Seitdem setzen wir auf den Mittelstand, fördern ihn, haben eine mittelständische Infrastruktur geschaffen und nunmehr 1.800 Firmen im Ort."

Neben dem Schwerpunkt im Dienstleistungssektor haben die Langenfelder in den vergangenen zehn Jahren auch stark auf Zukunftsbranchen wie Bio- und Pharmatechnologie gesetzt. Heute ist man nahe an der Vollbeschäftigung. "Wirtschaftsförderung ist Chefsache", sagt Frank Schneider. "Wir besuchen die Firmen, haben ständig Kontakt und wissen, wo es brennt. Wenn Unternehmen expandieren müssen oder möchten, machen wir alles möglich - und zwar innerhalb unserer Stadt!" Und auch die Bürokratie wird auf ein Minimum heruntergefahren. Schneider: "Kurze Genehmigungsverfahren. Wir holen sämtliche Behörden an den Tisch, so dass die Leute diese berühmten Behördenrallyes nicht machen müssen und garantieren damit natürlich auch kürzeste Genehmigungszeiten."

Eine Arbeit auf Augenhöhe, die Menschen motiviert. "Die Vorzüge unserer Stadt vermarkten wir natürlich auch gezielt", sagt Schneider. "Das bedeutet auch, dass neue Firmen sich bei uns ansiedeln. Wir haben den niedrigsten Gewerbesteuersatz bei Städten ab 50.000 Einwohnern in NRW." Das lockt. Doch auch die Infrastruktur, die die Firmen in Langenfeld vorfinden, ist nicht selbstverständlich. Gewerbegebiete zum Beispiel werden nicht erst entwickelt, wenn Firmen sich ansiedeln, sondern sind direkt da. Die Stadt hat nicht nur gespart, sondern auch gezielt investiert: in Wohngebiete für junge Familien, in Schulen, Kindergärten und Freizeiteinrichtungen. "Die Rahmenbedingungen müssen stimmen. Dazu gehören Kultur, Sport und alle sozialen Bereiche." Und das Ehrenamt! Das Motto "Ehrenamt ist Pflichtaufgabe" sei in den Herzen der Bürger verinnerlicht. Abgesehen von älteren Damen und Herren, die Kinder und Jugendliche betreuen und sich in Schulen und Kindergärten engagieren, sind es auch Langenfelder Bürger, die alte Menschen betreuen und sich um ihre Kultur vor Ort kümmern.

So gibt es zum Beispiel in Langenfeld ein kulturelles Forum, erklärt Schneider: "Ein städtisches Haus, in dem es regelmäßige, hochwertige Ausstellungen gibt. Die ganze Betreuung vor Ort übernimmt ein Verein aus rund 90 Ehrenamtlichen. Ihre Arbeit entlastet unsere Haushaltskasse enorm." Fragt man Frank Schneider, was er anderen Kollegen rät, die den Weg zur Schuldenfreiheit noch vor sich haben, kommt er nicht mit Details, sondern eher mit dem Rat zum Umdenken: "Schulden dürfen für eine Stadt einfach nicht selbstverständlich sein. Man muss ein Ziel haben und den Weg auch gegen Widerstände durchsetzen."


Text: Tanja Breukelchen. Dieser Beitrag ist im März 2010 in "change - Das Magazin der Bertelsmann Stiftung", Ausgabe 1/2010, erschienen. Das Magazin können Sie kostenlos bestellen.


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Porträt von Ulrike Osthus Ulrike Osthus
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change 1/2010, Schwerpunkt: Globalisierung

Für diese Ausgabe von "change" waren wir auf fast allen Kontinenten, trafen Menschen und lernten ihre Erfahrungen mit der Globalisierung kennen. Die Globalisierung stellt uns vor große Herausforderungen, aber sie eröffnet auch Chancen auf ein neues und anderes Leben.

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