Studie: Integration funktioniert besser als ihr Ruf
Sachverständigenrates deutscher Stiftungen für Integration und Migration legt erstes Jahresgutachten vor
Integration verläuft in Deutschland im gesellschaftlichen Alltag weitgehend erfolgreich. Das geht aus dem ersten Jahresgutachten des Sachverständigenrates deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) hervor, der in Berlin vorgelegt wurde. Nach dem SVR-Integrationsbarometer, einer repräsentativen Befragung von über 5.600 Personen mit und ohne Migrationshintergrund, zeigt die Bevölkerung ein belastbares gegenseitiges Grundvertrauen.
Zuwanderer vertrauen demnach den Deutschen zum Teil mehr als der eigenen Herkunftsgruppe und mitunter sogar mehr als die Deutschen sich selbst. Der mit dem Integrationsbarometer erstmals gemessene Integrations-Klima-Index registriert einen positiven Mittelwert: Auf einer Skala von 0 (sehr schlecht) bis 4 (sehr gut) liegt der Index für 2009 bei 2,77 der Mehrheitsbevölkerung und sogar bei 2,94 der Zuwanderungsbevölkerung.
Integration funktioniere also viel besser als ihr Ruf, bewertete der SVR-Vorsitzende Klaus Bade die Zahlen. Sie sei in der Erfahrung der Menschen alltäglicher geworden und habe eine positive Eigendynamik angenommen, in der sich Vielfalt und Wandel von Strukturen und Lebensformen positiv abzeichnen. Die Zahl der Befürworter der Integrationspolitik (54% bei der Mehrheits- und knapp 50% bei der Zuwanderungsbevölkerung) übertrifft der Untersuchung zufolge bei weitem die Zahl der Kritiker (9% bei der Mehrheits- und knapp 15% bei der Zuwanderungsbevölkerung). Die Erhebung soll nun alle zwei Jahre wiederholt werden, um so mögliche Veränderungen bei der Einstellung der Bevölkerung zur Integration dokumentieren zu können.
Trotz erkennbar zunehmender Erfolge von Integration und Integrationspolitik warnt der SVR aber vor Euphorie. Nach wie vor gebe es Problemzonen. Noch könne beispielsweise von gleichen Bildungschancen und damit Lebenschancen von Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund nicht die Rede sein. Hier bestehe Nachhol- und Reformbedarf. Der Problemstau im Bildungsbereich bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund belastet den Arbeitsmarkt und kann den sozialen Frieden gefährden, hieß es. Die Migrationsverhältnisse verschärften zudem den Fachkräftemangel am Arbeitsmarkt und den Reformdruck auf die Sozialsysteme. Gefordert wird ein eine gezielte, auch nachholende Bildungs- und Qualifikationsoffensive. "Die größte Baustelle bleibt damit die Bildung - hier müssen wir unsere Anstrengungen weiter verstärken, um allen Kindern in unserem Land unabhängig von ihrer Herkunft die Chance auf eine gute Zukunft zu eröffnen", betont auch Dr. Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung die Ergebnisse.
Der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration geht auf eine Initiative der Stiftung Mercator und der VolkswagenStiftung zurück. Ihr gehören acht Stiftungen an: Bertelsmann Stiftung, Freudenberg-Stiftung, Gemeinützige Hertie-Stiftung, Körber-Stiftung, Vodafone-Stiftung und Zeit-Stiftung. Der SVR ist ein unabhängiges und gemeinnütziges Beobachtungs-, Bewertungs- und Beratungsgremium. Die Ergebnisse werden in einem Jahresbericht veröffentlicht.
Dem SVR gehören neun Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen unter dem Vorsitz von Klaus Bade an.















