Die StifterStudie: Inhalte und Ziele
Von Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Heribert Meffert
Im 20. Jahrhundert hat Deutschland die längste Friedensperiode seiner Geschichte erlebt. 60 Jahre Frieden, parlamentarische Demokratie und soziale Marktwirtschaft eröffneten den Bundesbürgern nicht nur erhebliche politische Freiheiten, sondern auch große wirtschaftliche Chancen.
Mit dem Wohlstandswachstum in privater Hand geht ein Bedeutungswachstum bürgerschaftlichen Engagements einher. Es wird immer deutlicher, dass der Staat die alleinige Verantwortung für alle Lebensbereiche weder übernehmen kann noch soll. Der Einsatz der Bürger für das Gemeinwohl und die Stärkung der Bürgergesellschaft sind vor diesem Hintergrund wichtiger denn je.
Stiftungen kommt in diesem Zusammenhang eine besondere Bedeutung zu. Aufgrund ihrer großen Unabhängigkeit sind sie besser als alle anderen Institutionen in der Lage, unbequeme Themen aufzugreifen, Risiken einzugehen und in Zukunftsaufgaben zu investieren. Für den einzelnen Stifter bietet eine Stiftung zu Lebzeiten eine Plattform für ein aktives Engagement. Damit ist zugleich die Sicherheit verbunden, dass die Stiftung auch nach dem Tod des Stifters weiter in seinem Sinne wirken wird.
Stiftungen sind daher ein ideales Instrument, um den privaten Wohlstand in Deutschland für öffentliche Aufgaben zu erschließen. Nicht zuletzt angesichts der Erbschaftswelle, in deren Verlauf bis 2010 weit über eine Billion Euro an die nächste Generation vererbt werden, sprechen viele Anzeichen für ein weiteres Wachstum des Stiftungssektors. Neben diesen positiven ökonomischen Voraussetzungen mangelt es auch nicht an der prinzipiellen Bereitschaft der Bundesbürger, sich für das Gemeinwohl zu engagieren, wie zuletzt die Spendenbereitschaft anlässlich der Flutkatastrophe in Südostasien zeigte.
Im Gegensatz zur Spendenbereitschaft ist die Stiftungsbereitschaft in Deutschland wesentlich geringer ausgeprägt. Einen wichtigen Grund dafür benennt das Zentralinstitut für kirchliche Fragen: Einer Umfrage des Instituts zufolge ist nicht einmal jedem zweiten Deutschen die Möglichkeit bewusst, dass grundsätzlich jeder eine Stiftung gründen kann. Dieser Befund ist bedauerlich, denn für die Gründung einer Stiftung sind keine Millionenbeträge erforderlich. Bürgerstiftungen und andere innovative Formen gemeinnütziger Aktivitäten ermöglichen es, bereits mit vergleichsweise bescheidenen Beträgen dauerhaft Gutes "anzustiften".
Die zentrale Herausforderung für die weitere Verbreitung des Stiftungsgedankens besteht daher in der Aufgabe, mehr Transparenz über Stifter und Stiftungen zu schaffen. Die Verantwortung für diese Aufgabe liegt beim Stiftungssektor selbst. Stiftungen müssen stärker und professioneller in die Öffentlichkeit treten, um Aufmerksamkeit und Vertrauen zu gewinnen. Die Bevölkerung weiß und erfährt nur wenig über Stiftungen und ihre Aktivitäten. Noch weniger ist allerdings über die Stifter bekannt, die hinter den Stiftungen stehen. Verlässliche Informationen und anschauliche Beispiele sind jedoch eine wichtige Voraussetzung, um mehr Menschen für den Gedanken zu werben, selbst Stifter zu werden.
Vor diesem Hintergrund hat die Bertelsmann Stiftung das Projekt StifterStudie gestartet. Die mit wissenschaftlichen Methoden und Ansprüchen durchgeführte Studie verfolgt mehrere Ziele. Einmal soll die Studie der Öffentlichkeit ein besseres Bild über die Motive und Ziele von Stiftern vermitteln. Zum anderen möchten wir mit diesen Informationen potenzielle Stifter ansprechen und für den Stiftungsgedanken gewinnen. Darüber hinaus sollen die Ergebnisse zur weiteren Professionalisierung des Stiftungssektors beitragen und den Beratern von Stiftern ermöglichen, ihre Beratungs-, Service- und Informationsangebote weiter zu verbessern.
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Stiften in Deutschland
Die Studie untersucht erstmalig die Motive und Erfahrungen von Stiftern in Deutschland. Daten zur sozialen Herkunft der Stifter, zur Ausrichtung der Stiftungen und zur öffentlichen Wahrnehmung von Stiftern runden die Darstellung ab.
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