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Agenda Moderne Personalpolitik

Agenda Moderne Personalpolitik

Frankfurt am Main/Gütersloh, 19.03.2009

Auch in unsicheren Zeiten: Anerkennung und Vertrauen als wichtige Wettbewerbsfaktoren

Vertrauens- und Anerkennungskrisen bei Beschäftigten führen zu gesundheitlichen und unternehmerischen Risiken

Menschenmenge

Die derzeitige Wirtschaftskrise führt zu einer Renaissance des Begriffs "Vertrauen" auf den Wirtschaftsseiten der Zeitungen. Doch wie wird in unsicheren Zeiten mit dem Mitarbeiter als wesentlichem Faktor für unternehmerischen Erfolg tatsächlich umgegangen? Dieser Frage widmeten sich rund 70 Teilnehmer auf einer zweitägigen Fachkonferenz des Projekts "Agenda Moderne Personalpolitik" der Bertelsmann Stiftung in Frankfurt am Main.

Dass die Mitarbeiter das "wichtigste Kapital" der Unternehmen sind, ist ein Mantra, das sich in den Darstellungen von Unternehmen und in den Äußerungen von Managern regelmäßig wiederfindet. Ökonomischer Erfolg hängt nicht zuletzt von der Leistungsfähigkeit und der Motivation der Beschäftigten ab. Vertrauen und Anerkennung spielen dabei eine wichtige Rolle. Fehlen diese "weichen" Faktoren, so hat dies mitunter gravierende Auswirkungen. Die fehlende Würdigung von Leistung und Einsatzbereitschaft zieht oft Enttäuschungen, Kränkungen und Mutlosigkeit der Mitarbeiter und damit die "innere Kündigung" nach sich. Darüber hinaus jedoch - und diese Auswirkung wird oft unterschätzt und zu spät wahrgenommen - kann mangelnde Anerkennung nicht nur zu ernsthaften Erkrankungen der Psyche, sondern auch des Herz-Kreislauf-Systems führen. So sei es mittlerweile empirisch nachgewiesen, dass "fehlende oder mangelnde Anerkennung im Leistungszusammenhang moderner Erwerbsarbeit das Risiko stressassoziierter Erkrankungen verdoppelt.", stellt Prof. Dr. Siegrist, Medizinsoziologe an der Universität Düsseldorf fest. "Anerkennung ist nicht nur ein regulatives Prinzip zwischenmenschlicher Beziehungen, sondern eine wichtige Ressource psychischer und körperlicher Gesundheit." so der Professor weiter.

Es ist nicht einfach, Wertschätzung und Lob als Führungsinstrument adäquat einzusetzen. Werden etwa "nur Spitzenleistungen entsprechend herausgestellt und gewürdigt, so darf der möglicherweise demotivierende Effekt auf die "Normalleister" nicht unterschätzt werden.", meint PD Dr. Voswinkel, Arbeits- und Organisationssoziologe am Institut für Sozialforschung in Frankfurt am Main. "Eine positive Anerkennungskultur im Unternehmen erfordert eine Balance von Bewunderung und Würdigung; von Wertschätzung herausragender Leistung und Anerkennung normaler Leistungen. Sonst wird das Ganze leicht zum Nullsummen-Spiel."

Neben Anerkennung und Wertschätzung spielt Vertrauen zwischen Mitarbeitern, Führungskräften und Unternehmen eine entscheidende Rolle und wird gerade in schwierigen Zeiten auf eine harte Probe gestellt. Die zunehmende Instabilität von Beschäftigungsverhältnissen oder Organisationen, immer schnellere Wechsel der Vorgesetzten, der hohe Wert von Mobilität, Singularisierung, Ausgrenzung oder Arbeitsplatzwechsel - also vielfach die Kennzeichen der heutigen Arbeitswelt - erschweren den Aufbau von Vertrauen erheblich. Denn dieser braucht Zeit und kann nur durch immer wiederkehrende positive Bewährung geschaffen werden. Findet ein Vertrauensbruch zwischen Führungskraft und Mitarbeitern statt, so kann dies ähnliche Folgen wie mangelnde Anerkennung haben: Leistungsbereitschaft und -fähigkeit brechen ein bis hin zur Kündigung des Mitarbeiters. "Vertrauensbrüche kommen nicht plötzlich, sie haben Vorboten", sagt Monique Lampe, die in ihrer Forschungsarbeit an der Handelshochschule Leipzig Frühwarnsignale von Vertrauensbrüchen untersucht. "Wenn es gelingt, einen potenziellen Vertrauensbruch frühzeitig zu erkennen, können Maßnahmen ergriffen werden, diesen zu verhindern und den Mitarbeiter und das Unternehmen zu schützen."

Vertrauen und Anerkennung als Führungsinstrument erfolgreich einzusetzen erfordert große Sensibilität und Reflexion seitens der Führungskraft und beschränkt sich keineswegs auf den Umgang miteinander. Auch Strukturen und Prozesse im Unternehmen nehmen Einfluss, wie die Erfahrung der Praxis zeigt. Zentraler Ansatzpunkt ist die Gestaltung der Arbeitsbedingungen: Gesteht das Unternehmen seinen Mitarbeitern große Eigenverantwortung bei der Gestaltung von Arbeitsabläufen zu, lässt es ihnen viel Entscheidungsspielraum zur Selbstorganisation und überträgt es vertrauensvoll anspruchsvolle und ganzheitliche Aufgaben, so wirkt sich dies positiv auf die Motivation, Gesundheit und damit die Leistung aus. Und diese sollte dann gebührend anerkannt werden.

Entscheidend ist nicht der mechanistische Einsatz entsprechender Führungsinstrumente. Vielmehr bedarf es einer vertrauensvollen und wertschätzenden Unternehmenskultur. Gerade in Zeiten der Krise wird dabei leicht vergessen, wie wertvoll diese für das Unternehmen sein kann - und wie schwer es ist, einmal zerstörtes Vertrauen wieder zu erneuern. Im Sinne einer antizyklischen Personalpolitik wäre es also gerade jetzt wichtig, den Faktoren Vertrauen und Annerkennung besondere Aufmerksamkeit zu schenken.


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