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Gütersloh, 20.01.2006

"Altes, schrumpfendes Europa"

Podiumsdiskussion von Bertelsmann Stiftung und Deutsche Welle

Vorstandsmitglied Johannes Meier bei der Podiumsdiskussion
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Vom demographischen Wandel sind alle Länder Europas betroffen: Die Lebenserwartung steigt, zudem werden in den meisten europäischen Ländern Kinder immer seltener. Wie gehen andere europäische Länder mit dem demographischen Wandel um? Von welchen erfolgreichen Modellen unserer europäischen Nachbarn können wir in Deutschland lernen? Unter dem Titel "Altes, schrumpfendes Europa - Die Herausforderung des demographischen Wandels" diskutierten Demographie-Experten - darunter für die Bertelsmann Stiftung Vorstandsmitglied Johannes Meier - in einer gemeinsamen Podiumsdiskussion mit der Deutschen Welle.

Mehr als 100 Gäste verfolgten gestern Abend eine interessante Podiumsdiskussion in Berlin, Unter den Linden 1, die das Thema Demographischer Wandel in einen europäischen Kontext stellte. Zu den Teilnehmern gehörten neben Johannes Meier für die "Aktion Demographischer Wandel" der Bertelsmann Stiftung weitere namhafte Referenten: So Francois Héran, Direktor des französischen Instituts für Bevölkerungsstudien (INED) in Paris, der Leiter der Abteilung "Ältere Menschen" im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Rudolf Herweck, sowie der estische Bevölkerungs-Wissenschaftler Andres Vikat, Leiter der Population Activities Unit of the United Nations Economic Commission for Europe (UNECE PAU). Es moderierte Manuela Kasper-Claridge, Leiterin der Wirtschaftsredaktion von DW-TV in Berlin.

Geld allein reiche nicht aus, um der Überalterung der Gesellschaft wirksam zu begegnen - darin waren sich die Podiumsteilnehmer einig. "Man braucht vor allem ein kinderfreundliches Umfeld", betonte Francois Héran und verwies auf Frankreich als europäisches Vorbild: Durchschnittlich 1,94 Kinder bekomme jede Französin, nicht zuletzt gründe sich dies auf eine kontinuierliche, verlässliche Familienpolitik mit unterstützenden Angeboten wie die Vorschule für unter Dreijährige. Und auch Johannes Meier war überzeugt, dass sämtliche Maßnahmen nur dann greifen würden, wenn sie Teil eines "gesamtgesellschaftlichen Bildes" seien. So müsse es etwas zur Normalität werden, dass sich Unternehmen über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ihrer Mitarbeiter Gedanken machten, so Meier.

"Es bedarf einer neuen Trias in der Familienpolitik", sagte Rudolf Herweck vom Bundesfamilienministerium mit Blick auf die Rahmenbedingungen für eine kinderfreundliche Gesellschaft. Diese umfasse Geld, Zeit und Infrastruktur. Man müsse dabei direkt in den Kommunen ansetzen und in Deutschland eine massive Anpassungsdebatte führen, so Johannes Meier. "Was passiert, wenn einer Kommune ein größerer Teil der Einwohner wegbricht?" - die Bertelsmann Stiftung werde mit dem Wegweiser Demographischer Wandel, der im Februar online gehen wird, Transparenz über die Entwicklung in den rund 3000 Kommunen herstellen. Es gäbe jedoch nicht den "goldenen Weg" zur Lösung des Problems: "Für mehr als 3000 Kommunen in Deutschland gibt es nicht die eine Welt", erklärte Meier und betonte, dass es auf innovative Lösungen auf lokaler Ebene ankomme.

Was für die Kommunen gelte, gelte nicht zuletzt für die Länder Europas: "Es gibt nicht die eine Lösung für Europa", so Andres Vikat aus Estland. Einig waren sich aber alle Teilnehmer über folgende Strategie: "Wir müssen den demographischen Wandel als Chance, nicht als Katastrophe begreifen", so Vikat. "Es ist ein schwerer Tanker, aber die Folgen sind durchaus gestaltbar."

Die Podiumsdiskussion, die auf Seiten der Bertelsmann Stiftung von der "Aktion Demographischer Wandel" und dem Bereich Kommunikation organisiert wurde, wird im Februar von der Deutschen Welle ausgestrahlt. Den genauen Termin geben wir noch bekannt.


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