Entwicklungspolitik sollte sich stärker an Good Governance-Kriterien orientieren
Bertelsmann Transformation Index belegt Zusammenhang zwischen Entwicklungsfortschritt und politischen Management
Die Entwicklungspolitik bezieht sich noch zu wenig auf Demokratisierungstrends. Um weltweit sozialen Frieden, Gerechtigkeit, politische Stabilität und die Achtung der Menschenrechte zu fördern, sollte sich die internationale Entwicklungszusammenarbeit zudem stärker als bisher an den Maßstäben guten Regierungshandelns orientieren. Dies ist die Schlussfolgerung des aktuellen Bertelsmann Transformation Index, der am Donnerstag in Berlin vorgestellt wird.
Die Analyse der Bertelsmann Stiftung zeigt im globalen Trend, dass sich Demokratie und Marktwirtschaft in den letzten Jahren weltweit weiter auf dem Vormarsch befinden. Allerdings sind die Fortschritte langsamer als in den 90er Jahren. In fast allen Regionen konnten die bisherigen Errungenschaften bewahrt werden. Deutliche Verbesserungen ihres Demokratieniveaus wiesen 18 Länder auf, darunter vor allem Kroatien, Sierra Leone, die Slowakei und die Türkei. Verschlechterungen verzeichnen Bolivien, Ecuador, die Republik Moldau, Peru und Thailand, während die Côte d'Ivoire, Kamerun und Nepal in autokratische Verhältnisse zurückfielen.
Eine deutliche Verbesserung ihrer politischen Managementleistungen wiesen neben fünf neuen EU-Ländern insbesondere Mauritius, Chile, Botswana, Südkorea und Taiwan auf. Die Regierungen in Venezuela und Nepal haben mit politischem Missmanagement weitere Rückschritte ausgelöst. Deutlich verschlechtert hat sich auch die Bewertung Russlands. Schlusslichter des Regierungsrankings bilden Somalia, DR Kongo, Weißrussland, Kuba, Nordkorea, Simbabwe und Turkmenistan. Der Management Index bewertet anhand zahlreicher Indikatoren, die die Qualität und Leistungen der politisch Verantwortlichen analysieren, die optimale Nutzung von Entwicklungspotenzialen.
Prof. Werner Weidenfeld, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung, empfiehlt, die gezielte Unterstützung von eigenverantwortlichen und strategisch denkenden Reformern ins Zentrum von Außenunterstützung zu rücken. "Es ist in unserem ureigensten Interesse, vor allem politische Entscheidungsträger zu unterstützen, die zielstrebig und weitsichtig ihr Land auf den Weg zu Demokratie und Marktwirtschaft führen. Wir sollten ein internationales Netzwerk von Demokraten - staatlich oder zivilgesellschaftlich - ausbauen und unterstützen, um Menschenrechte und Stabilität zu fördern."
Der BTI kann die nach Ansicht von Prof. Weidenfeld eine strategischere Ausrichtung von Entwicklungspolitik, die von der Bundesregierung bereits begonnen wurde, durch Daten und Analysen unterstützen. "Im BTI erhalten Sie auf einen Blick eine Einschätzung, ob eine Regierung polarisiert, Ressourcen vergeudet und sich unkooperativ zeigt, oder ob sie durch gute politische Gestaltungsfähigkeit einen verlässlichen Partner darstellt."
Über den BTI: Der Bertelsmann Transformation Index (BTI) 2006 ist ein Ranking von 119 Transformationsländern. Auf der Basis von 250 Einzelgutachten mit über 6900 Einzelbewertungen analysiert er politische und ökonomische Reformprozesse im weltweiten Überblick. Der BTI ist der erste international vergleichende Index, der mit selbst erhobenen Daten eine fundierte und umfassende Analyse von politischen Gestaltungsleistungen in Transformationsländern bietet. In detaillierten Ländergutachten würdigt der BTI erfolgreiches politisches Management, das unter oft schwierigen Ausgangsbedingungen geleistet wird. Umgekehrt sind Missmanagement und autokratische Reformverweigerung durch den BTI noch eindeutiger zu identifizieren. Er erscheint alle zwei Jahre.
Weitere Information finden Sie auf der Website des BTI www.bertelsmann-transformation-index.de.
Die ausführliche Dokumentation von Ranking, Methodik und Ergebnisauswertung erscheint als Printpublikation im November: Bertelsmann Transformation Index 2006: Auf dem Weg zur marktwirtschaftlichen Demokratie, Verlag Bertelsmann Stiftung.









