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Gütersloh, 10.01.2012

Kultur ist das, was uns ausmacht

Ein Interview mit Nicolas Berggruen über seinen Blick für Kultur

Nicolas Berggruen
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Nicolas Berggruen, moderner Weltbürger
Quelle: change 4/2011, S. 35.

Nicolas Berggruen ist einer der reichsten Männer der Welt.  Er ist auf zwei Kontinenten aufgewachsen und ständig unterwegs. Und immer mit dem Blick für das, was uns alle verbindet: Kultur. Ein Interview am Rande des Salzburger Triloges 2011, eine Dialogveranstaltung für interkulturelle Verständigung der Bertelsmann Stifung. Das Interview führte Anna Butterbrod.

Er ist wie das schwarze BlackBerry in seiner Hand: immer auf Empfang. Nicolas Berggruen steht vorm Haupteingang von Schloss Arenberg in Salzburg, wo sich die Teilnehmer des Salzburger Triloges versammeln. Es dauert nicht lange, bis ihn die ersten mit einem herzlichen "Nicolas, how are you?" begrüßen. Schon am nächsten Tag fliegt er mit seinem Privatjet weiter zum nächsten Termin. "I'm missing all the fun", beklagt der 50-Jährige. Aber sein Lächeln verrät, dass er sein ständiges Auf-Achse-Sein keineswegs bedauert. Der Sohn deutscher Eltern, der größtenteils in Paris und Amerika aufwuchs, ist ein moderner Nomade: Er hat keinen festen Wohnsitz, schläft lieber in Hotels und besucht rund 80 Städte pro Jahr. New York, Berlin, Istanbul, Mumbai. Dort sammelt er Erfahrungen und Kontakte, reist mit neuen Ideen weiter.

Gibt es außer den fünf dunkelblauen Maßanzügen, die er stets in den Koffer packt, noch etwas, das er immer mitnimmt? Der Milliardär hält demonstrativ sein BlackBerry hoch. "Nur das, alles andere ist unwichtig." Vor dem Interview checkt er noch schnell seine E-Mails. "So, jetzt bin ich zu hundert Prozent bei Ihnen", verkündet er und platziert das Gerät auf dem Stehtisch neben sich.

Change: Sie haben einmal gesagt: "Man ist, was man tut." Was sagt der Besuch des Triloges über Sie aus?
Nicolas Berggruen:
(lacht) Ich weiß nicht, ob das wirklich viel über mich aussagt. Aber der Trilog ist ein gutes Beispiel dafür, Leute zusammenzubringen, die über Weltprobleme
sprechen. Das ist heute wichtiger denn je. Es ist der Anfang eines Prozesses. Erst denken, dann handeln - das ist das Gute an einem solchen Treffen.

Lösen Menschen aus verschiedenen Kulturen Probleme anders?
Ja, sehr sogar. Die Kultur ist ja das, was uns ausmacht. Und in einer Welt, die immer globaler wird, ist es umso wichtiger, dass die verschiedenen Kulturen miteinander kommunizieren. Wir können viel voneinander lernen. Besonders der Westen vom Osten.

Inwiefern?
Im Westen steht das Individuum im Vordergrund. Im Osten, damit meine ich den asiatische  Raum, ist es die Gemeinschaft. Die Menschen arbeiten besser miteinander. Sie teilen ihre Werte, aber auch ihre Opfer. Im Westen ist das schwieriger, da sind alle Einzelkämpfer. Diese zwei Parteien hadern miteinander. Dabei sollten sie die Herausforderung annehmen, Missverständnisse beseitigen und kooperieren.

Warum ist das gerade für uns im Westen wichtig?
In Sachen Macht und Wirtschaftskraft gibt es gerade eine regelrechte Verschiebung vom Westen zum Osten. Die Krise, in der wir heute stecken, ist ganz klar eine des Westens. Die Politik ist für diese Misere verantwortlich: Die westlichen Regierungen müssen ihre angesammelten Schulden bewältigen und ihren Bürgern eine neue Orientierungshilfe geben.

Sie setzen sich dafür ein, dass ein Umdenken stattfindet.
Ich habe den "Rat für das 21. Jahrhundert" gegründet, der sich alle sechs Monate trifft. Darin sitzen Nobelpreisträger, internationale Unternehmer, Wissenschaftler und Ex-Regierungschefs.

So wie Gerhard Schröder.
Ja, aber bei uns sind auch die USA, Südamerika und - sehr wichtig - China, Singapur und Indien vertreten. Wir behandeln Themen wie Wirtschaft, Klima, Bevölkerungswachstum oder das Gesundheitswesen. Alles Dinge, um die wir uns auf globaler Ebene kümmern müssen.

Wie kann Ihr Rat das erreichen?
Indem er direkt mit der G-20 zusammenarbeitet. Denn das ist das Forum, in dem Führungspersönlichkeiten aus aller Welt über wichtige Dinge verhandeln. Unsere Ratsmitglieder haben den Vorteil, dass sie bei solchen Diskussionen viel freier und direkter sprechen können.

Weil sie nicht mehr an ein Amt gebunden sind?
Korrekt. Wir werden auch beim G-20-Gipfel nächstes Jahr in Mexiko dabei sein. Aber das ist nur ein Projekt. Ein weiteres konzentriert sich auf Europa.

Nicolas Berggruen verabschiedet sich freundlich, greift nach seinem BlackBerry und wirft sofort einen Kontrollblick aufs Display. Er ist wieder auf Empfang.

Info: Brücken in der Wirtschaft
Nicolas Berggruen machte 2010 als "Karstadt-Retter" Schlagzeilen. Mit dem Kauf der Warenhauskette sicherte er die Arbeitsplätze von 25.000 Mitarbeitern. Sein Vater war der berühmte jüdische Kunstsammler und Mäzen Heinz Berggruen (1914-2007), der vor den Nazis aus Berlin in die USA floh. Seine Mutter ist die deutsche Schauspielerin Bettina Moissi (88). Der Geschäftsmann, dessen Vermögen auf 2,2 Milliarden Dollar geschätzt wird, ist Chef der Berggruen Holdings: ein Firmenverband, der sich in den vergangenen 20 Jahren weltweit an über 100 Unternehmen langfristig beteiligt hat. Von seinem Vater hat er die Liebe zur Kunst geerbt, besitzt Werke von Damien Hirst, Andy Warhol und Jeff Koons. Dem Museum Berggruen, in dem die Schätze von Heinz Berggruen hängen, wird seine Familie mindestens 50 Kunstwerke aus ihrem Privatbesitz leihen, für den Erweiterungsbau, der 2012 in Berlin eröffnen soll.


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